Da ist es wieder. Dieses Phänomen, dass Musiker sich nicht mit einer Band zufrieden geben. Sondern den recherchierenden Journalisten ein Soziogramm auf die Bildschirme brennen, das erst nach Stirnrunzeln und verkrampftem Hier-und-Da-Nachsehen entwirrt werden kann. Die drei Bandmitglieder von NM Farner sind solche Fleißkärtchensammler. Da spielen Bands wie Mina, Contriva, Komeit (Norman Nitzsche und Masha Qrella) und Knarf Rellöm (Chrigel Farner) eine Rolle. Außerdem zeichnet Chrigel noch ganz vortreffliche Comics. Ach, du rastlose Künstler-Seele.

Dabei sind die drei alle noch unglaublich jung. Was sie jetzt mit NM Farner machen, ist ambitionierter Berlin-Mitte-Punkrock mit schmissigen Texten. “Anscheinend treffen unsere Texte einen Nerv. Allerdings warten wir bei Konzerten nicht die ganze Zeit darauf, dass die Leute wie wild von der Bühne in die Menge springen und alles in Rauch und Asche aufgeht.“ Norman, der übrigens, wenn er spricht, weniger nach Kristof Schreuf klingt als wenn er singt, sieht man nicht an, ob er darüber nun enttäuscht ist oder nicht. Vielleicht spielt da auch der altbekannte Dualismus von Bühne und Studio eine Rolle. Wie zur Bestätigung wirft Masha ein, dass sie sowieso das Gefühl hat, live ganz anders zu klingen als auf ihrem Debüt ’Die Stadt‘. “Wir sind gespannt, ob das nach der Veröffentlichung unseres Albums so bleibt. Bisher spielten wir immer in eine Art Nichts hinein, weil niemand uns kannte. Es wäre schön, wenn die Leute unsere Live-Auftritte als eine Art Gebrauchsanweisung für das Debüt sehen würden. Aber wir haben schon vielen Seiten gehört, wie unterschiedlich unsere Gigs im Gegensatz zur Platte klingen.“ Besonders schlimm finden die drei das nicht. Im Gegenteil,es macht die Sache nur spannender, denn dadurch gibt es mehr Oberfläche, an der man sich reiben kann. “Es gibt aber auch mehr Fläche, die man beiseite legen kann.“ Masha lacht. Angst, deswegen nicht gehört zu werden, haben sie anscheinend nicht. Was nicht unbedingt verwundert bei so vielen anderen musikalischen Projekten, über die sie sympathischer-weise nicht viel Aufhebens machen.

Wo NM Farner mit ihrem Album landen werden, weiß die Band noch nicht. Wie sie auf die Leute wirken auch noch nicht so recht. Normans stimmliche Ähnlichkeit mit Kristof Schreuf ist ihnen zum Beispiel nie aufgefallen. ’Die Stadt‘ jedenfalls ist eine tolle Platte geworden. Mit Artverwandtem wie etwa ’Von Spar‘, ’Spillsbury‘ oder der ’Mediengruppe Telekommander‘ wird sie auf die gute Seite durchgewunken. Und wer nicht weiß, wie er damit umgehen soll,kann sich auf der anstehenden Tour mit den Sternen eine Gebrauchsanweisung zeigen lassen.

Text: Rebekka Bongart