So verspielt wie in der Musik, bei der die Brazilian Girls Rock mit Elektro und allen möglichen anderen Stilen mischen, sind sie auch bei den Texten auf ‘Talk To La Bomb‘.
Der mehrsprachige Name des Titeltracks zum Beispiel ist durchaus von Sängerin Sabina Sciubba so gewählt, um verschiedene Interpretationen zuzulassen. “Der Titel ‘La Bomb’ kann ja auch eine gut aussehende Frau beschreiben. So gesehen ist das Plattencover ja völlig unzweideutig. Aber es geht natürlich auch um Waffen. Ich finde es zum Beispiel sehr komisch, dass ein Volk, das Nuklearbomben hat, diese einem anderen Volk verbieten kann. Über so was kann ich nur lachen, wenn ich einen guten Tag habe. Damals hatte ich einen und habe das Thema aufgegriffen! Auch bei anderen Stücken geht es darum, dass wir die Leute – und uns selber – ein bisschen auf die Schippe nehmen!

Video zu “Talk To La Bomb”

So heißt zum Beispiel ein swingendes Stück ‘Never Met A German’, obwohl Sabina mit fünf Jahren aus Italien nach Deutschland kam und hier ihre gesamte Schulzeit verbrachte. Erst nach dem Studium ging sie nach Frankreich und schließlich wegen der Musik nach New York, wo sie die Brazilian Girls mit Bassist Jesse Murphy, Schlagzeuger Aaron Johnston und Keyboarder Didi Gutman gründete. “Mit Didi lebte ich schon zusammen, bevor die Band entstanden ist. Jesse und Aaron lebten davor auch zusammen. Wir hatten also schon einige Sachen entwickelt, aber erst als wir alle gemeinsam spielten, hat es geklickt. In einem Club im East Village traten wir dann jede Woche auf und jammten – auf einer organisierten Ebene.

Dort im ‘Nublu’ lernten sie auch die beiden Künstler Vladimir ‘Vlado’ Radojicic und Petar Podzemaljac kennen, die sich um das Artwork von ‘Talk To La Bomb’ gekümmert haben. Ein etwas merkwürdiges Denkmal haben die Brazilian Girls ihren ‘Nublu’-Freunden mit dem luftig-leichten Pop-Chanson ‘Sweatshop’ gesetzt, das über die Schufterei von 23 Chinesen in einer Fabrik berichtet. “Wenn uns das Leben mal wieder so hart erschien, erinnerten wir uns gegenseitig an die vielen Chinesen, die in einem Zimmer hocken und schuften. Dabei denke ich nicht mal an ‘Nike’, sondern so was gibt es auch im New Yorker Chinatown. Nur um Vlado und zwei weitere Freunde etwas zu ärgern, haben wir den Text so gestaltet, als ob sie den ‘Sweatshop’ hätten. Was natürlich völlig an der Realität vorbeigeht. Im Endeffekt soll ‘Sweatshop’ einfach zeigen, welches privilegierte Leben wir eigentlich genießen.”

Text: Holger Köhler

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