Die harten Bässe des Matthew Dears ließen Clubgänger zuletzt jubeln. Nun ist Schluss mit der großen Sause und angesichts seines neuen Albums ‘Asa Breed‘ Zeit für Gemütlichkeit.

Das Schöne an der Vergangenheit ist ja, dass sie vorbei ist. Denn obwohl Matthew Dear mit seinem Nebenprojekt Audion dank der Single ‘Mouth To Mouth’ von sich Reden machte und einen veritablen Clubhit landete, ist dieser Song auch ein kleiner Fluch für den Amerikaner. “Manchmal ist es schwer, den Leuten meine Pop-Songs näher zu bringen, wenn sie nur Audion im Kopf haben. Ich besitze nun mal zwei musikalische Persönlichkeiten: Auf der einen Seite liebe ich die Energie von Dance-Music, andererseits auch die Introvertiertheit des Pop”, erklärt der Detroiter fast entschuldigend.

Zu letzterem neigt auch ‘Asa Breed’. Es repräsentiert die sanfte Seite von Matthew Dear und überrascht dabei mit einem ausgefallenen Gesang. “Eigentlich ist dies aus der Not heraus geboren. Ich bin kein guter Sänger und habe deswegen eine Technik entwickelt, bei der ich meine Stimme overdubbe. Das bedeutet, ich nehme sie mehrmals in verschiedenen Tonlagen auf und packe sie anschließend übereinander. Einzeln würden die Takes nicht gut klingen, aber zusammen bin ich zufrieden damit.” Die Dinge, die Mathew Dear textlich beschäftigen, entspringen meist seinen eigenen Gedanken und sind trotzdem selten persönliche Erlebnisse. Vielmehr handle es sich um fiktionale Geschichten, die wenig mit seinem eigenen Leben zu tun haben – ihn aber ständig beschäftigen, wie er hinzufügt.

Miniappetithäppchen Pom Pom


Du hast mehr als drei Jahre an “Asa Breed” gearbeitet, das muss doch manchmal frustrierend gewesen sein!

Matthew Dear: Nein, war es ganz und gar nicht. Die technischen Mittel variieren einfach von Zeit zu Zeit und ich fühlte mich deswegen nicht in der Lage, die Arbeit einfach zu stoppen, zu sagen, jetzt ist Schluss. Weil Musik eben auch ein ständiger Begleiter von mir ist und genauso ihre Form ändert, wie ich Dinge in meinen Leben.

Wie wichtig war dein letztjähriger Berlin-Trip für “Asa Breed”? Du sollst ein gutes Verhältnis zum hier beheimateten Richie Hawtin haben!
Matthew Dear: Rich ist wahnsinnig wichtig für meine Musik. Gerade was die technische Umsetzung anbelangt, ist er ein großer Einfluss. Es ist faszinierend, wie er elektronische Sounds und Samples benutzt. Deswegen war auch mein Berlin-Aufenthalt ein echtes Erlebnis in meinem Schaffen als Musiker: Ich habe in nur drei Tagen acht Songs aufgenommen.

Du machst einen sehr entspannenden Eindruck. Fast so, als habe Matthew Dear nach zwei Dekaden musikalischen Schaffens einen zufriedenen Punkt erreicht!
Matthew Dear: Ich mache seit meinen 14. Lebensjahr Musik und habe mich seitdem immer versucht weiterzuentwickeln. Dabei natürlich auch gemerkt, dass ich es nicht leiden kann, wenn sich bestimmte Dinge in meinem Leben wiederholen. Ich sehe meine Aufgabe nach wie vor darin, neue Möglichkeiten zu entdecken.

Deswegen kann Matthew Dear über seine bisherige Entwicklung glücklich sein. “Asa Breed” ist ein Album geworden, das nur wenige von ihm erwartet hätten. Trotzdem wird er sich weiterentwickeln und verspricht am Ende des Gesprächs fast drohend: “The day I stop doing that is when I should quit!”

Text: Marcus Willfroth

: 01.06.2007

Label: Rough Trade

Tracklist:
01 Fleece On Brain
02 Neighborhoods
03 Deserter
04 Shy
05 Elementary Lover
06 Don And Sherri
07 Will Gravity Win Tonight?
08 Pom Pom
09 Death To Feelers
10 Give Me More
11 Midnight Lovers
12 Good To Be Alive
13 Keine Titelinformation