Brent Knopf sieht nicht besonders frisch aus. Dem Gitarristen der Band Menomena stecken die letzten Wochen auf Tour sichtlich in den Knochen. „Was soll man machen?“, gibt er schulterzuckend zu und bittet anlässlich der neuen Platte „Friend And Foe“ zum Gespräch.

„Welcher Tag ist heute? Schon Dienstag?“, sind die ersten Fragen, die gestellt werden. Seinerseits, versteht sich. „Ach, irgendwie ist auf Tour jeder Abend ein Samstag. Das liegt daran, weil wir nach jedem Gig Bier aufmachen und meistens noch in die Stadt gehen.“ Warum Menomena gerade in Feierlaune sind, ist schnell beantwortet: Das amerikanische Trio aus Portland/Oregon veröffentlicht dieser Tage sein drittes Album namens „Friend And Foe“ und ist überaus glücklich mit dem Ergebnis. Der Vorgänger sei ihnen zu experimentell ausgefallen und habe die Hörer meist nur irritiert. „Da kamen Leute auf uns zu und fragten, ob wir Portlands Antwort auf Can sein wollen. Das fand ich komisch, nur weil uns der Sinn nach einem Instrumentalalbum stand“, erklärt Brent kopfschüttelnd.

Eigentlich sollte eh alles anders kommen. Brent war in der High School begeisterter Depeche Mode-Jünger und verpasste keine Party in seiner Nähe, wo die Band gespielt wurde. „Ich habe damals sogar an Wettbewerben teilgenommen, wo der beste Dave Gahan-Verschnitt gesucht wurde. Da musste man dann tanzen und gewisse Klamotten tragen.“ Kaum ist dies ausgesprochen, möchte ich sehen, wie Brent Knopf den Dave Gahan gibt. „Tut mir leid, keine Chance!“, antwortet er relativ resolut und schaut dabei zu Boden. „Du brauchst jetzt gar nicht so ruhig dasitzen, ich mache das nicht“, sprudelt es aus ihm heraus, bevor er aufsteht und dann doch loslegt. Mit wenig Enthusiasmus spreizt er die Arme und dreht sich im Kreis, langsam aber technisch perfekt tritt er dabei hin und wieder mit einem Fuß auf den Boden. Tolle Show!

Wie kommt es eigentlich, dass Menomena so gar nicht nach Depeche Mode, sondern wie eine avantgardistische Indie-Rock-Band klingen?
Brent: Ich hatte halt irgendwann die Nase voll davon. Nicht von der Musik, vielmehr von meinem Fan-Dasein. Als ich vor ein paar Jahren die anderen Jungs von Menomena kennenlernte, versicherte ich mich, dass die beiden keinen Bock auf Synthie-Pop haben. Damit sollte Schluss sein!

Eure ersten beiden Alben wurden in den USA oft zwiespältig aufgenommen. Wer das Debüt mochte, kam mit dem Nachfolger „Under An Hour“ nicht zurecht und umgekehrt. Ist das von euch so gewollt, ständig anzuecken?
Brent: Wir sehen da kein Konzept drin. Vielmehr musste Menomena sich als Band ausprobieren und schauen, welche Richtung die richtige ist. Ich glaube, mit „Friend And Foe“ sind wir bei der Identitätssuche einen entscheidenden Schritt vorangekommen und haben die besten Momente der Vorgänger miteinander vereint: Auf der einen Seite ist es sehr experimentell, jedoch konzentriert auf das Wesentliche – anspruchsvolle Rockmusik.

Im letzten Punkt muss man Brent Knopf zustimmen: Das Werk weiß die Qualitäten der drei Jungs auf einen Nenner zu bringen. Obwohl viele Songs auf ihre Weise nach der perfekten Mischung suchen, kann die Band spätestens jetzt von einem eigenen Sound sprechen. „Das klingt für einen Menschen Ende Zwanzig vielleicht etwas überheblich, aber ich glaube, wir sind echt gereift in den letzten Jahren.“ Mal ehrlich, wie viele Bands können das schon so früh von sich behaupten?!

Text: Marcus Willfroth