Michael Fakesch, vor allem bekannt für seine Zusammenarbeit mit Chris de Luca als Funkstörung, geht nach der Auflösung des Produktionsteams nun wieder Solopfade. Wer weiß, wie dekonstruierend das Duo gearbeitet hat und wie eigenwillig die beiden beispielsweise ‘All Is Full Of Love’ für Björk oder ‘Reunited’ für den Wu-Tang Clan geremixt haben, könnte von der Geradlinigkeit bei ‘DOS’ (!K7) überrascht sein.

“Viele Leute sind wirklich überrascht, aber ich finde schon, dass da noch Funkstörung heraus zu hören ist”, nimmt Michael Fakesch seinen neuen Sound in Schutz. “Ich habe schließlich mit meinem System gearbeitet und mit meinem Wissen, Charakter und Geschmack. Wer zuerst die Stimme und den Groove hört, empfindet das natürlich als Veränderung. Ich wollte einfach was Neues und Anderes machen. Die Soundästhetik ist aber ähnlich geblieben, bloß nicht mehr so überproduziert.”

Stimmt! ‘DOS’ hält die Waage zwischen experimenteller Vergangenheit und eingängiger Zukunft. Ein Stück wie der Opener ‘Escalate’ dürfte ein ordentlicher Tanzflächenfüller sein, der gut ins DJ-Set zwischen Prince und Timbaland passt, wohingegen ‘Crest’ mit seinen wilden Störgeräuschen ein wahrer Rausschmeißer ist. Maßgeblich mitverantwortlich für das musikalische Endergebnis ist Sänger Taprikk Sweezee. Dass dieser Name an Patrick Swayze erinnert, kommt nicht von ungefähr, hat der Herr doch auch schon mal einen Track namens ‘Dirty Dancing’ aufgenommen. Bei ‘DOS’ wirkt er als gleichwertiger Partner bei fast allen Stücken mit. “Am Anfang hatte ich eine Million Breaks eingebaut, aber das fügte dem Ganzen nichts hinzu. Deswegen habe ich alles relativ minimal ausgestaltet, wobei aber Taprikk meinte, ob hier und da nicht doch noch ein Break hinein könnte. Im Grunde haben wir uns dadurch in der Mitte getroffen.”

Obwohl eines der Stücke ‘Complicated’ heißt, empfand Taprikk Sweezee die Zusammenarbeit als äußerst angenehm. “Things get so complicated, but the clue is on your mind”, singt er deshalb auch am Ende des Liedes. Dabei geht es ihm in dem Text nicht unbedingt um eine Beziehung, sondern viel mehr um eine allgemeine Erfahrung im Leben. “Das ist fast so wie unsere Zusammenarbeit bei diesem Album. Zwei Leute kommen aus verschiedenen Richtungen und denken, dass das alles kompliziert wird. Aber wenn sie sich von beiden Einflüssen die guten Dinge nehmen, dann ist es nicht ‘complicated`. Es geht darum, gemeinsam zu wachsen.”

Auch dafür steht ‘DOS’, das im Spanischen ‘Zwei’ bedeutet. Schließlich haben sie zu zweit daran gearbeitet. Sie hatten sogar kurz überlegt, es ‘Zwei’ zu nennen. “Es ist ja auch mein zweites Solo-Album – wobei mein erstes nur eine Ansammlung von alten Tracks war und das jetzt ja eigentlich mit Taprikk entstanden ist. Aber ‘DOS’ war als Titel besser als ‘Zwei’, denn ich finde es sehr schön, dass da mehr hinein interpretiert werden kann. Das steht zum Beispiel noch für ein Betriebssystem. Eine Französin meinte, in ihrer Sprache würde das ‘Rücken’ bedeuten. Im Grunde ist das aber auch nur ein Name und es geht ja eher um die Musik.”

Recht hat er – und die Musik ist wirklich gut. Dance-Tracks of Soul. DOS halt!

Text: Holger Köhler