Bevor Miss Platnum ihre eigene Debüt-CD ’Rock Me’ veröffentlichte, verdiente sie sich ihre ersten Sporen als Background-Sängerin bei Jocelyn B. Smith und bei der Rap-Crew Moabeat. Aber anscheinend ergab erst die Mitarbeit an ’Next!’ von Seeed die musikalische Neuorientierung, die nun auf ihrem unterhaltsamen Album ’Chefa’ zu hören ist.

Denn daran mitgewirkt hat nicht nur DJ Illvibe, der auch damals schon bei ’Rock Me’ den Albumproduzenten Berger von Lychee Lassi immerhin bei einem Stück im Studio unterstützt hat, beteiligt waren auch der Posaunist Jerome Bugnon und Seeed-Sänger Pierre Baigorry, der sich früher Enuff nannte, seit einiger Zeit nun als Pete Fox auftritt. Die Erklärung für diese zahlreichen Gastbeiträge ist jedoch ganz einfach. „Wir haben unser Studio im selben Haus. Da gehen wir einfach um die Ecke, klopfen an die Tür und fragen, ob der andere kurz Zeit hat. Das ist richtiges Family Business. Ich finde es auch besser, so was mit jemanden zu machen, den ich persönlich kenne. Warum sollte ich zum Beispiel Sido anrufen, nur weil der gerade in den Charts ist? Aber vielleicht frage ich ihn doch irgendwann mal!“

Soweit hergeholt ist das ja auch nicht, da Pete Fox ja ebenfalls schon mit Sido das Stück ’Rodeo’ aufgenommen hat. Doch erstmal hält sich Miss Platnum an alte Freunde aus Berlin. Illvibe hat ’Chefa’ nämlich mit Monk von Moabeat produziert, nachdem die beiden schon für Demba ’Ear’ Nabé sein Projekt Boundzound auf den Weg gebracht haben. Außerdem hält Miss Platnum weiterhin Jocelyn B. Smith die Treue, wie auf ihrer letztes Jahr erschienen CD ’Expressionzz’ zu hören und zu sehen war. Auf der beiliegenden DVD gibt es nämlich einen Konzertmitschnitt, bei dem neben Celina Bostic im Background beim Stück ’Speak The Words’ noch eine gewisse Ruth-Maria Renner mitsingt – auch bekannt als Miss Platnum.

Zum Family Business gehört übrigens auch, dass die auf dem Cover zu sehenden ’Platnum’-Flaschen durchaus Realität werden könnten, wie Miss Platnum scherzend zugibt. Nachdem sie mit der aktuellen Single ’Give Me The Food’ allerdings auch klargestellt hat, dass sie kein Kostverächter ist, kann sie sich dabei kein Vitamin-Getränk wie ’Formula 50’ von Gangsta-Rapper 50 Cent vorstellen. „Ein eigener Schnaps wäre schon toll. Mein Vater macht das auch ein bisschen selber, aber das ist im zu kleinen Rahmen. Vielleicht werden wir jedoch eines Tages die Produktion aufstocken!“

Dass Miss Platnum aber durchaus nicht nur lustig wirkende Lieder wie die Anti-Diät-Hymne ’Give Me The Food’ oder das Statussymbol ansteuernde Werk ’Mercedes Benz’ macht, zeigt vor allem die politische Parabel ’Sinking Boat’. „Das Mutterschiff ist meine Heimat Rumänien. Es geht in dem Lied um die Revolution, die ich dort von hier aus erlebt habe. Es soll beschreiben, wie es vorher war, wie Ceausescu wahrgenommen wurde und welchen Einfluss er auf das Leben dort hatte. Das Ganze habe ich bildlich auf ein sinkendes Schiff übertragen, dessen Vorräte der Kapitän selber aufbraucht. Die Besatzung muss hingegen frieren, bis sie sich entschließt, ihn von Bord zu schmeißen.“

Als ebenfalls gesellschaftskritisch sieht sie übrigens ’Life’ an, das etwas weniger melancholisch rüberkommt. „Das ist auch ein eher ernstes Lied. Darin geht es um einen, der sich darüber beschwert, dass es ihm so schlecht geht und er kein Geld hat. Aber trotzdem sitzt er im Café rum, und weiß nichts mit seinem Leben anzufangen. Dieses Leben in der verwöhnten Jugendkultur kenne ich selbst ganz gut.“

Da ’Chefa’ aber gute Chancen hat, für ordentlich Wirbel zu sorgen, dürften die lässigen Tage im Café noch lange nicht gezählt sein.

Text: Holger Köhler