Oh oh: next big thing alarm. Doch was UK Music Search da diagnostiziert ist durchaus hinhörenswert, handelt es sich doch nicht um den üblichen austauschbaren UK Indie-Retro-Rock-Kram, den das kleine, 3 Künstler starke Colony2 Label sein eigen nennt, und den nur Abiturientinnen in der Kleinstadtdisse noch nicht überdrüssig sind.
Viel schöner: rauer lo-fi Blues, sagt das Label, herrlich ehrlicher Blueskrach ergänze ich. Das funktioniert bei 2-Mann Kombos natürlich supergut, wird doch ganz bewusst auf einen weichen rythmisierenden Bass verzichtet. The Black Keys und immer mal wieder die White Stripes haben uns den gefährlich rohen, staubtrockenen, dreckigen Bluesrock mit „nur“ Gitarre und Schlagzeug näher gebracht – Mississippi Witch nun scheinen ihn mit jeder Pore zu leben und musikalisch auszuschwitzen. Ob sie nun wirklich ehemalige Bibeltreue sind, die sich in einer Kirchengrotte im tiefreligiösen Louisiana über den weg liefen und sich Kautabak konsumierend näher kamen, darf ebenso schmunzelnd geglaubt oder belächelt werden wie schon bei Death From Above 1979 die Leichenhallen-kennenlern-Story. Sie scheinen dazuzugehören, diese seltsamen Geschichten seltsam undurchdringlicher Bands, die aus dem scheinbaren Nichts auf uns losrocken und die Arm- und Nackenhaare abstehen lassen.
Inzwischen haben sie es ja aus der amerikanischen Grotte nach London geschafft, wo Colony2 nach etlichen Verzögerungsmonaten Anfang September uns das allem Anschein nach formidable Debut Black Gamble unter die Bluesrocknase reiben wird.

 
Mauricio Quinones