Der Winter kommt näher und das sieht man auch am Kalender. Wir haben November, was für uns bedeutet, es wird Zeit für einen neuen Mix des Monats. Und diesmal lassen wir euch nicht erst eine Woche warten. Und: Diesmal wird es richtig spektakulär! Man könnte bald von wild reden. Aber alles zu seiner Zeit. Erstmal sollten wir klären, um wen es sich diesmal hier dreht. Machen wir! Los gehts!

Für 11/2006 haben wir Aaron Spectre gewinnen können, was uns ganz besonders freut. Aufmerksam geworden sind wir auf ihn durch einen Mitschnitt aus dem Keller Antik in Leipzig im August letzten Jahres. Eine unglaublich temporeiche Performance. Scheinbar alles, was irgendwie bekannt oder einfach nur genial klingt wird in ein Drum’n’Bass/Jungle/Breakcore-Kleid gepresst. Garniert mit einem Hauch von Hip Hop und Metal wird das Ganze zu einem Mashup, das seinesgleichen sucht. Selbst nach dem 100. Mal hören tritt keine Langeweile ein. Und das ist nicht einfach nur so dahingesagt. Überzeugt euch einfach selbst davon. Aber erstmal weiter hier im Text. Denn auch Infos zu Aaron Spectre sind ziemlich interessant. Mindestens genauso spannend wie seine Musik.

Ursprünglich stammt Aaron aus den USA kam aber der Musik wegen nach Deutschland. Seiner Meinung nach gibt es gerade auf dem Gebiet der elektronischen Musik hier in good old Germany viel mehr Möglichkeiten als in den USA. Und seine Freundin nutzte die Chance, um gleich noch ein wenig ihr Deutsch zu verfeinern. Und wo geht man hin, wenn man mit elektronischer Musik möglichst viel erreichen will? Richtig! Nach Berlin. Und nach Aarons Meinung kann man nicht mal das Argument gelten lassen, Berlin sei zu hektisch. Im Vergleich zu anderen Städten dieser Größe, ist Berlin geradezu beschaulich. Dann wollen wir ihm das mal glauben. Wer jetzt aber denkt, dass mit dem Umzug nach Deutschland nur noch in hiesigen Clubs gespielt wird, der täuscht sich kollosal. Aaron Spectre ist ein global Player. Der Mix, den wir euch zum Download anbieten, wurde in Tokio mitgeschnitten. Hat also schon eine weite Reise hinter sich.

Kommen wir also zu den ersten Eckdaten: Unter welchem Namen tritt Aaron Spectre in Erscheinung? Da wäre zum einen natürlich mal sein bürgerlicher Name: Aaron Spectre. Und dann noch als Drumcorps, wo es noch einen Zacken schärfer zur Sache geht. DJ bzw. Liveact ist er seit 1999, damals war er 19. Lässt also auf ein aktuelles Alter von 26 Jahren schließen. Recht so! Sein Style bewegt sich von Jungle und Breakcore über Dubstep zu Drum & Bass, teilweise mit Metaleinflüssen. Also schnelle Beats, sehr treibend und trotzdem nichts, was einen gleich überfordert. Wer Aaron Spectre auf seiner Party buchen möchte, muss sich nicht etwa an ein Booking wenden, sondern fragt beim Meister höchstselbst an. Alle Kontaktdaten dazu gibt es auf der Kontaktseite seiner Hompage.

Die musikalische Historie ist auch sehr interessant, da man sie nicht primär vermutet, wenn man die Sets von Aaron Spectre hört: Im Alter von 10 Jahren fing er an, Schlagzeug zu spielen. Zuerst in der Schulband, dann in einer Jazzcombo, dann in einem Marschorchester und zu guter letzt in Orchestern. Ganz gediegen, ganz bodenständig. Doch irgendwann hatte er darauf keine Lust mehr und im Alter von etwa 16 Jahren entschied er sich dann, zwar weiterhin Schlagzeug zu spielen, aber das in Hardcorebands. Ordentlich auf die zwölf also! Etwa zur gleichen Zeit fing er auch, während der Essenspausen an den Rechnern im Computerkabinett seiner Schule erste eigene Tracks zu produzieren. Zur elektronische Musik kam er, da er ein Liveset von “The Orb” erleben durfte. Er hatte zwar vorher schon davon gehört, wusste aber nicht von der Musik. Im Sommer 1997 während der Orblivion USA Tour hat es ihn dann aber förmlich von den Socken gerissen und richtig mitgerissen.

Ein bisschen gedauert hat es dann schon bis zum ersten öffentlichen Auftritt, aber im Jahr 2000 war es soweit. Bei einer Party in der Lower Eastside in New York City war er für die Chilloutbeschallung bei einer Industrialparty verantwortlich. Alles sehr illegal, wie er schreibt und sehr Underground. Der Floor war nicht größer als ein durchschnittliches Schlafzimmer und beschallt wurde nur mit normalem HiFi-Equipment, aber aufgeregt war er trotzdem wie Bolle. Und er sagt selbst: Mittlerweile sind die Sets um einiges besser geworden. Allerdings wurde mit zunehmenden Auftritten auch die Locations immer ausgefallener. Den wohl sonderbarsten Auftritt hatte Aaron Spectre im Jahr 2004 bei der “No Borders” Party in Beirut. Das war die erste freie Open Air Party in Beirut. Sie fand in einem verlassenen Bahnhof statt. Riesige komplett verrostete Dampfmaschinen bildeten dabei die Kulisse. Die Lautsprecher hingen in Bäumen und etwa 500 Leute, die nie zuvor solche Musik gehört hatten, tanzen wie blöde. Und trotzdem gibt es noch einen ganz großen Traum, wo Aaron mal auflegen möchte. Und zwar bei der BBC möchte er ein Liveset bei Maida Vale abliefern. Wir drücken ihm die Daumen, dass alles klappt. Und wenn es nicht mit dem Musikersein geklappt hätte? Was dann? Dann wäre Aaron Spectre wohl Web-/Grafikdesigner oder Tontechniker geworden.

Wie üblich werfen wir auch bei Aaron Spectre einen Blick in den Plattenkoffer und bringen seine derzeitigen und auch die allgemeinen Favourites in Erfahrung. Seine aktuellen Top Ten sehen wie folgt aus:
Psychofreud Feat. Murry Man – Selassie I (Knowledge & Wisdom)
Equilibrium – Cold Blooded Murder (OG)
Rcola Feat. Sister Nancy – What a Bam Bam (Dub)
Mochipet – Botan Rice Breaks (Aaron Spectre Remix) – (Dub)
Aaron Spectre & Prodigal Son – SayYeh – (Mindtrick Dub)
Wonder – What (Geeneus Remix) – Dump Valve
Soundmurderer – Toronto VIP – Planet Mu
Elemental – Soul Fire – Destructive
DJ C – Ransom the Senator – (Death$ucker)
Livewire – The Zone (N2O)

Absolute All-Time-Favourites von Aaron sind:
Brian Eno – Ending (An Ascent)
Dead Can Dance – American Dreaming

Und wenn es um Jungle geht:
Soundmurderer – Badman

Womit wir auch gleich noch die absoluten Lieblingslabels abarbeiten können, die da wären: 4AD, Death$ucker, DMZ, CRD. Viele Buchstaben, schnell wie seine Sets.

Und wo wir schon beim Thema Sets und Musik im Allgemeinen sind, haben wir auch gleich gefragt, was wir jeden DJ fragen. Was hält Aaron Spectre von den neuen Digitalen Möglichkeiten der Liveset- und DJ-Mixtechniken? Seine Anwort fällt sehr wohlwollen aus in Richtung Digitalzeitalter. “Technologie ist nur ein Werkzeug”, sagt er, “am Ende zählt nur das, was man daraus macht. Die Regeln einer guten Trackauswahl ein eines guten Flusses gelten nach wie vor.” Für seine Zwecke ist Ableton Live das beste Tool. Damit performt er sowohl live als auch seine Produktionen lässt er darüber laufen. Trotz allem liebt er die Einfachheit von Vinyl und die Art, die es einem DJ förmlich aufzwingt eine Auswahl zu treffen. “Außerdem ist ist es nett, zu einem Gig zu gehen, ohne Angst haben zu müssen, dass der Computer kaputt geht.”

So und jetzt schauen wir mal noch ein wenig ins Private von Herrn Spectre. Wo geht er zum Feiern gern hin? Da wäre zum einen das Supamolly in Berlin, dann der Black Swan in Bristol und weil ja Europa nicht genug ist das Share in NYC. Und wenn er dort nicht anzutreffen ist, dann schlafend an einem Freitagmorgen am Flughafen Berlin Schönefeld. Und was ist seine Partydroge. Für ihn zählen gute Musik und gute Freunde. Und die sollten sich immer finden lassen.

Wie immer kurz vor Ende des Textes hier noch die Webtipps von Aaron Spectre:
www.metafilter.com
del.icio.us

Also besucht die Seiten!

Und diesmal haben wir sogar die komplette Tracklist des Mixes bekommen. Wem also Tracks daraus besonders gefallen, der frage im Laden nach:

Equilibrium – Cold Blooded Murder (OG)
Rcola Feat. Sister Nancy – What a Bam Bam (Dub)
Livewire – Mash It Up (N2O)
Soundmurderer – Call the Police (Rewind)
DJ C – Wacko Macko is Backo (Mashit) loop
Aaron Spectre – Alien vs. Rodigan (Death$u cker)
Aaron Spectre – You Don’t Know (Electro-Violence)
Aaron Spectre – amen solo
Mochipet – Botan Rice Breaks (Aaron Spectre Remix) (Dub)
Aaron Spectre – Look Out fi Liar (Death$ucker)

Vielen Dank an Aaron Spectre für das Set und das Beantworten der Fragen. Und euch jetzt viel Spaß mit diesem wirklich geilen Set!

Den Download gibt es unter EXCOMAX.de