Moddi über die Suche nach der großen Wahrheit im Songwriting und das problematische Los des DIY-Daseins.

Pål Moddi Knutsen macht Musik, die einem einen Schauer über den Rücken jagt. Im einen Moment zart und gefühlvoll, im anderen dramatisch und energiegeladen. Mal dargeboten nur mit Cello und Gitarre, mal noch mit Piano, Violine etc. Auf dem Reeperbahn Festival macht der Norweger zwar nicht seine ersten Schritte in Deutschland, konnte aber als einziger Künstler drei Auftritte absahnen und das in unkonventionellen Locations wie einer Kirche und auf einem Boot. Seine nächsten Besuche stattet Moddi uns im Vorprogramm des fantastischen, australischen Folk-Duos Angus & Julia Stone ab. Fast alle fünf Termine im November sind bereits ausverkauft. Mit motor.de spricht Moddi über die Bedeutung der Aussage und die Schwierigkeiten, so viele Musiker gleichzeitig zu managen.

motor.de: Der Text über dich auf MySpace macht wirklich einen sehr persönlichen Eindruck. Ich mochte, wie du den Leser direkt angesprochen hast.

Moddi:
Das muss ich tun, ich mache es ja auch durch meine Musik. Aber ich muss auch zugeben, dass ich noch gar nicht herausgefunden habe, wer eigentlich die andere Person ist, die ich anspreche. Also, ob ich das bin oder jemand anderes. Aber wenn ich mit meiner Musik keine anderen Menschen ansprechen würde, würde ich sie nicht öffentlich singen. Gelegentlich schreiben ja schon andere die Promotexte für mich, das geht manchmal nicht anders. Eigentlich bin ich aber schon gewohnt, alles selbst zu machen von MySpace bis zum Booking, das ist nun mal Teil dieses Indie-DIY-Dings und es fühlt sich auch gut an. Warum sollte ich es auch nicht selbst machen – es ist doch meine Musik?

motor.de: „You shouldn’t believe in everything you write“ – diese Zeile stammt auch aus deinem Text. Ich denke, vielleicht ist es ein Hinweis darauf, deine Texte nicht auf dich persönlich zu beziehen…

Moddi: Oder vielleicht ist es ironisch gemeint…

motor.de: Oder vielleicht ist es eine generelle Absage an alles, was andere über deine Musik schreiben…

Moddi: (lacht) Auch da bin ich mir noch nicht ganz sicher. Als ich angefangen habe, Songs zu schreiben, war ich 17, 18 Jahre alt. Ich war auf der Suche nach der „großen Wahrheit“, worum es im Leben geht. Ich konnte es jedenfalls nicht beim Songwriting herausfinden. Was man singt, ist ja auch nicht immer die Wahrheit. In dem Sinne ist es schon eher eine Absage. Ich singe und sage Dinge jetzt, über die ich in fünf Jahren vielleicht anderer Meinung bin. Ich denke, wenn man seine Gefühle wirklich authentisch empfinden will, muss man auch loslassen können. Wenn ich beispielsweise einen Song darüber schreibe, dass ich niemals Kinder will, weil ich Menschen hasse, dann kann ich später meine Meinung ändern. Aber ich darf nicht ablehnen, dass ich mal so gedacht habe.

motor.de: Und was ist mit der Musik, welchen Stellenwert hat sie?

Moddi: Das eine geht nicht ohne das andere. Es gibt keine Struktur in meiner Arbeitsweise, ich kann nicht sagen, was zuerst da ist. Ich denke, das wichtigste ist, welches Gefühl dir ein Song vermittelt. Und diese Reaktion ist sehr unterschiedlich. Vielleicht hat das mit diesem skandinavischen Melancholie-Ding zu tun: Die Leute sind glücklich, wenn wir traurig sein können. Aber eigentlich geht es dabei nur darum, mehr Zeit und Raum zum Nachdenken zu haben.

motor.de: Entsteht das Arrangement denn auch schon in deinem Kopf?

Moddi: Es kommt drauf an. Ich spiele Konzerte allein oder mit einer Cellistin oder mit einer ganzen Band. Sie klingen also nie gleich. Und das finde ich toll, dass ich sie in so verschiedenen Gelegenheiten singen kann, denn sie fühlen sich trotzdem richtig an. Auch wenn sich die Songs aber verändern, sollte das Gefühl, das ich den Leuten vermittle, dasselbe sein.

motor.de: Ist es dann nicht komisch für dich, mehr oder weniger allein als Moddi bekannt zu sein?

Moddi:
Ja, das ist es tatsächlich. Es ist schwer zu sagen, ob Moddi eine Band oder ein Solokünstler ist. Einerseits bin ich mir sicher, es ist ein Soloprojekt, weil die meisten Ideen eben in meinem Kopf entstehen. Auf der anderen Seite würde ich es niemals allein machen und wir entwickeln die Ideen ja auch gemeinsam weiter.

motor.de: Wie ist es, mit so vielen Leuten auf der Bühne zu stehen?

Moddi: Es ist die Hölle, das ganze Drumherum zu organisieren, alles zu transportieren und zu bezahlen. Und dann musst du ja auch noch darauf achten, dass alle zufrieden sind und jedem das Gefühl geben, dass er sich auch selbst verwirklichen kann. Aber beim Performen ist es toll.

Interview: Claudia Jogschies