Nun haben wir den Salat! Aus Angst vor der Übermacht vor dem Cruise-gehypten „Mission: Impossible III“ aus der letzten und dem Kirchenskandal-gehypten „The Da Vinci Code“ aus der kommenden Woche, haben alle anderen Filmverleiher ihre guten Filme aus dem Verkehr gezogen. Doch jetzt wollten längst nicht so viele Fans wie erwartet das neuste Abenteuer des Jungvaters und Alt-Scientologen Tom Cruise sehen (und es sage mir keiner, das läge nur am Frühlingswetter!), und plötzlich sind die Alternativen im Kino rar.

Doch es gibt noch richtig gute Filme, „Der Tintenfisch und der Wal“ zum Beispiel. Noah Baumbach hat sich von der eigenen Jugend in den späten 70ern, frühen 80ern zu einem großartigen Coming of Age- bzw. Familienfilm inspirieren lassen. Die intellektuell – egozentrischen Eltern befinden sich im Trennungsprozess, der kleine Bruder entdeckt Alkohol und Sperma für sich und Noahs Alter Ego Walt ist überfordert: von der Familie, den Frauen, der Literatur. Alle vier sind gleichzeitig faszinierend liebenswert UND unsympathisch (und fantastisch gespielt von allen Beteiligten), die Story ist grotesk-komisch und trotzdem sehr anrührend und der Film tatsächlich einer der schönsten des Jahres.

Von „Asterix und die Wikinger“ kann man das natürlich nicht behaupten. Zwar ist man froh, dass es sich hierbei endlich mal wieder um eine Zeichentrickversion handelt und nicht der dicke Gerard Depardieu durch bunte Plastikkulissen gejagt wird. Aber ihrem altbackenen Charme können die beiden kampfstarken Gallier auch mit gezwungen modernen Gags (ich sage nur: Brieftaube SMSix) nicht entkommen. Und das prominente deutsche Sprecher (Nora Tschirner, Smudo, Christian Tramitz) keine Garantie für einen unterhaltsamen Kinoabend sind, mussten wir ja schon häufig schmerzlich erfahren.

Doch auch ohne einheimische Semi-Prominenz in der Synchronisation können Filme daneben gehen. „Silent Hill“ zum Beispiel, Zombiehorror basierend auf einem Computerspiel. Das klingt leider genau so wie es dann auch aussieht. Eine Mutter sucht ihre verschwundene Tochter und landet dabei in einer verflucht-verlassenen Stadt. Optisch ist das teilweise nett gelöst, aber sowohl dem französischen Regisseur Christophe Gans als auch der australischen Hauptdarstellerin Radha Mitchell würde man endlich einmal bessere Drehbücher wünschen.

Allerdings geht es noch Klassen schlechter: In „Paparazzi“ wird ein Hollywoodstar von aufdringlichen Fotografen verfolgt. Als die einen Unfall verursachen, bei dem seine Frau verletzt wird, sieht er rot. Ein absolut reißerischer und uninteressanter Pseudo-Thriller, dessen drittklassiger Hauptdarsteller Cole Hauser dem Traum vom Star-sein sicher nie wieder so nahe kommen wird, wie in dieser Rolle. Dafür kann er immerhin nicht tief sinken, wie es Kollegin Alicia Silverstone aktuell vormacht. Bei „Clueless“ lag ihr die Welt noch zu Füßen, jetzt dreht sie Gothic-Gruselfilme wie „Silence Becomes You“, die besser in der Videothek verstauben sollten.

Zum Schluss aber auch noch ein wenig Erfreuliches: Benjamin Heisenbergs Debütfilm „Schläfer“ ist zwar etwas spröde, geht das Thema Terrorangst aber angenehm subtil an und erzählt letztlich vor allem von Freundschaft. Der Schweizer Coming of Age-Film „Dummer Junge – Garçon stupide“ ist erfreulich offenherzig, ehrlich und ernsthaft und hat mit Pierre Chatagny in der Rolle des schwulen Loic einen Trumpf in der Hauptrolle zu bieten. Und „Moolaadé“ ist nicht nur sehenswert, weil das Drama über weibliche Genitalverstümmelung erschüttert, sondern auch, weil es Kino aus dem Senegal bei uns ja sonst kaum zu sehen gibt. Da wäre doch die Lücke zwischen den beiden Hollywood-Nichtigkeiten sinnvoll genutzt.