Fast alle der in den letzten drei Jahren in den Himmel gehypten Bands hatten sich das Attribut ‘Lo-Fi’ ganz fett auf die Brust geschrieben. Doch den Gipfel der Lo-Fi-Kunst hatten selbst die White Stripes mit ihrem letzten Album ‘Elephant’, das nur 9.000 Dollar gekostet haben soll, noch lange nicht erreicht. Der Schotte Kevin Cormack setzt mit seiner Band Half Cousin noch einen drauf, indem er das Wort Garage-Sound sehr wörtlich nimmt. Besen, Eimer, Radkappen und was sonst noch in Kevins Gerümpelgarage zu finden war, wurden für das Debüt-Album ‘The Function Room’ kurzerhand zu Instrumenten umfunktioniert. Innovativ oder schlicht die Unfähigkeit, ein Instrument zu spielen?

Zweiteres lässt sich sofort ausschließen. Die Mitglieder von Half Cousin sind definitiv ausgebildete Musiker, zwei von ihnen haben u.a. mit Joe Strummer in seiner letzten Band The Mescaleros zusammen gespielt. Doch das beeindruckt den Kopf der Band Kevin wenig: “Für mich sind die beiden nicht die, die mal mit der Punk-Legende Strummer zusammengearbeitet haben, sondern die, die in meiner Band spielen.” Schaut man sich im Umfeld von Half Cousin weiter um, tauchen noch mehr große Namen des Musikbusiness auf. So nahm Herbert Grönemeyer höchstpersönlich Half Cousin für sein Label ‘Grönland’ unter Vertrag.

Trotz oder wegen soviel Prominenz, die bei Half Cousin aktiv oder inaktiv involviert ist, überrascht das Album ‘The Function Room’ mit seiner Unbekümmertheit gegenüber jeglichen radio- und TV-tauglichen Klängen. Auf dem Album wird uns ein ungewöhnlicher Mix aus Folk, Country, Rock und Punk aufgetischt, der irgendwo zwischen Tom Waits, Arab Strap und The Notwist anzusiedeln ist. Von Anfang bis Ende kann das Debüt-Album leider nicht überzeugen. Es lebt vielmehr von kurzen Momenten und Ideen, wie eben jene Umfunktionierung von verschiedenen Gegenständen zu Instrumenten. Kevin bezeichnet das kurz und trocken als “Music made from Junk”. Doch als Seitenhieb auf die britische Gitarren-Pop-Szene, in der seit Jahren nicht viel neues passiert, will Kevin seinen Junk-Sound nicht verstehen: “Müll benutzen, um Sounds zu kreieren, ist kein Statement zur aktuellen Musikszene. Es ist nur einfach die Neugierde nach neuen musikalischen Möglichkeiten, die mich auf solche Ideen bringt.” Dieser Drang nach Neuem lässt ‘The Function Room’ die ersten Male als ein sehr interessantes Album erscheinen, doch nach mehrmaligen Hören sind die Ideen aufgebraucht. Schade, aber fürs zweite Album und einen weiteren Versuch steht in Kevins Garage bestimmt noch viel Gerümpel herum.

Text: Max Knaut