Paris kennt sie vornehmlich von hinten. Auch keine schlechte Aussicht, könnte man meinen. Denn wann immer es geht, flüchten die vier Franzosen in ihren Zweite-Haut-Röhrenhosen in englischsprachige Gefilde. Zumindest musikalisch. Denn irgendwie rockt es sich einfach besser zwischen London und New York: „Sorry Rock ‚n’ Roll was born in the United States“, verteidigt sich das Quartett in akzentfreiem Englisch und zeigt Frankreich – ganz amerikanisch – den verbalen Mittelfinger.

Irgendwie hat’s die Stiefel-Nation ja auch selbst verbockt. Im Radio müssen 40 Prozent der Songs französisch sein. Welches Label signt da schon eine Band, die englisch singt und damit Null Komma Null Chancen hat, ins Programm aufgenommen zu werden? Da nehmen Neimo das Vorhaben „Euro-Rock im 80’s-Gewand“ doch lieber selbst in die Hand, gründen schnurstracks ihre eigene Plattenfirma und schmeißen die erste Scheibe „From Scratch“ im Self-Release auf den Markt. Anschließend werden in der Myspace-Einflüsse-Liste provokativ alle „The“-Bands dieser Welt ergänzt und mit Shangri-La Music eins der führenden amerikanischen Labels an Land gezogen. Paris je t’aime war gestern, We love California ist heute.

2007 erscheint auf dem neuen Label eine selbstbetitelte EP, bevor Bruno, Matthieu, Camille und Alexis mit dem 2008er Longplayer „Modern Incidental“ endgültig klarstellen, dass sie mehr Beatles als Baguette sind. Chapeau!

Neimo sind:
Bruno Dallesandro – Lead Vocals
Matthieu Joly – Keys
Camille Troillard – Gitarre
Alexis Hadefi – Drums

Jennifer Beck