Das erste Mal Interpol hören rief sofort Gedanken an die Post-Punk Institution Joy Division hervor. Ein ähnliches Déjà-vu Erlebnis tritt ein, wenn man das fulminante Editors-Debüt ‘The Back Room’ hört. Mit einem scheinbar leidenschaftlich um sein Leben flehenden Sänger, sphärischen Gitarren, einem dominant surrenden Bass und dem zusammenschweißenden Drum-Sound reihen sich die Editors nahtlos in die Kette der beiden zuvor genannten Gruppierungen ein.

Die in der dritten Editors-Single ‘Blood’ immer wiederkehrende Strophe “Blood runs through your veins, that’s where our similarity ends” macht deutlich, mit welchen Themen sich das Quartett aus Birmingham auseinandersetzt. Liebe, Leid und Einsamkeit. “Keine Frage, dass die Texte dunkel sind und gewisse Ängste beschreiben. Aber trotzdem steckt in ihnen auch Optimismus”, beschreibt Songwriter und Frontmann Tom Smith seine Songs und ergänzt: “Nenn es ruhig Teen Angst oder Angelegenheiten, die sich um Herz und Seele drehen” – wie  in ‘Someone Says’: “There’s beauty in the lonely, you’re the moonlight in this town” – “Es geht hier aber mit Sicherheit nicht um die Verarbeitung irgendwelcher Kindheitsprobleme. Ich versuche einfach, die Leute mit diesen fiktiven Inhalten zu erreichen und bin mir sicher, dass eine Art Tagebuch meines Lebens niemanden interessieren würde.”

Abgeschottet von der Außenwelt brauchten Tom, Chris, Russell und Ed gerade einmal drei Wochen Zeit, um ‘The Back Room’ einzuspielen. Ein winziges, isoliertes Studio an der Ostküste Englands half dabei, die düstere Stimmung des Albums zu perfektionieren. “Die Idee, in das Studio zu gehen, kam von unserem A&R. Es befindet sich in einem winzigen Dorf, in dem es nur einen fürchterlichen Pub gibt. Du musst eine Stunde Autofahrt in kauf nehmen, um in die nächste Stadt zu gelangen. Diese Stadt heißt Lincoln und ist ein wirklich trostloser Ort”, lacht Gitarrist Chris Urbanowicz und weiter: “Na ja, der Platte hat das alles wohl nicht geschadet.”

Seit zwei Jahren existiert das aktuelle Line-Up der Editors, wobei der Kern der Gruppe unter anderen Namen schon seit der Millenniumswende aktiv musizierte. Der Grund, nach dem Studienabschluss nach Birmingham und nicht nach London zu ziehen, hat ähnliche Gründe wie sich für die Zusammenarbeit mit einem Indie- und keinem Major-Label einzulassen. Die Editors wollen langsam wachsen und nicht über Nacht zu einer der vielen neue Hype-Bands avancieren. “Wir sind unglaublich entspannt und das nicht nur wegen der drei erfolgreichen Singles in England. Dafür haben wir uns auch lange Zeit gelassen, bis wir auf einen Label-Deal eingegangen sind. Du musst dafür bereit sein. Uns war es zu Beginn einfach viel wichtiger, eine Fanbase aufzubauen und so oft wie möglich live zu spielen”, erinnert sich Chris und Tom fügt hinzu: “Es geht uns um ein organisches Wachstum der Band. Ich finde es nicht gut, wenn eine Gruppe auf dem NME-Cover prangt, die höchstens ein Demo und eine Single draußen hat. Eine Titelstory sollte man meiner Meinung erst dann bekommen, wenn die Platte veröffentlicht wurde. So kannst du dir doch erst sicher sein, dass du es wirklich verdienst.” Verdient hätten es die Editors.

Text: Manuel Möglich