Den Abend in der Leipziger Moritzbastei eröffneten die einheimischen Dante’s Dream. Sie erfuhren erst fünf Tage vorher von ihrer Ehre, Portugal. The Man supporten zu dürfen und gaben zum Heimspiel dementsprechend viel Herzblut auf der Bühne her. Ihre leichten Songs, die sich meist um Pickings und dezent groovende Gitarreneffekte jenseits gängiger Popsong-Strukturen herum abspielen, wirkten dabei meistens ziemlich fragil. Diese Art von Musik funktioniert nur mit viel Aufmerksamkeit, sonst verliert man ziemlich schnell den Faden. Das Leipziger Publikum indes entschloss sich nur halbherzig, ihnen diese Aufmerksamkeit auch von Anfang an zu überlassen. Etwas irritiert von der schonungslosen Offenheit des barfüßigen Sängers Lucas Hull wirkten einige Menschen im Raum doch etwas überfordert von der besinnlichen Stimmung, die Dante’s Dream zu vermitteln suchten. Die Rettung lag, wie so oft, im Humor – das Wortspiel mit Dante’s “Göttlicher Komödie” verkneifen wir uns jetzt einfach mal. Offensichtlich noch ein bisschen fachfremd und daher etwas holprig, war es trotzdem gerade der fleißige Schlagzeuger Tobi Beat, der mit seinem glücklichen Lächeln und seiner tollen zweiten Stimme das Publikum auf seine Seite holte. Er bildete den Gegenpol zur reflektierenden Tiefe des Sängers Hull, die an diesem Abend eben einfach nicht klappen wollte. Hoffentlich nahmen sie es nicht persönlich. Zum eingängigen “Episodes” wackelten immerhin schon die ersten Knie. Und als sie ihr weit ausgeholtes Schlusswerk nach zehn Minuten krachend einstürzen ließen, kam unter den Zuhörern endlich echte Begeisterung auf – keinen Moment zu früh.

Pünktlich, wie man es von US-Bands gewohnt ist , traten Portugal. The Man in Leipzig mit voller Personalstärke an. Zum harten Kern um Sänger John Gourley, Bassist Zach Carothers und Schlagzeuger Jason Sechrist kamen noch drei Verstärkungen. Zum einen wurden Keyboard, Percussion und Gesang von einem sehr talentierten jungen Mann mit viel Einsatz und Hingabe übernommen. Zweitens stellten die Jungs aus Alaska eine zauberhafte junge Dame mit tiefen Augenringen in einem skurrilen 80er Jahre Hauskleidchen an den rechten Bühnenrand. Deren Kopfstimmengesang fügte sich prima ins Klangkonzept ein und niemand schwang heute abend so versiert diverse Rhythmus-Instrumente wie sie. Beide wurden ausgeliehen von einer jungen Band aus Portland namens Shepherd of Ontario. Drittens nahmen The Man noch ihren Tourmanager und Beleuchter auf die Bühne. Das hatte Sinn, denn er hat uns an jenem Abend bewiesen, wieviel es wert ist, wenn der Mann an den Lichtern die Songs der Band kennt. Beleuchtet wurde die Band übrigens permanent von unten. Böse Zungen behaupten, dies geschehe nur, um über die geringe Körpergröße einzelner Bandmitglieder hinwegzutäuschen. Das haben die Jungs allerdings gar nicht nötig. Sie bewiesen es bereits mit dem Opener “Aka M80 The Wolf”. Mit den anschließenden Songs “Bellies Are Full”, “Church Mouth” und “Chicago” stellten The Man klar, warum man sie unbedingt live erleben sollte. Ihre kraftvolle und Energie geladene Show brachte genau den Rock’n’Roll auf die Bühne, der auf der jüngsten Scheibe leider etwas steril weg produziert wurde. Da war Dreck zu hören, mit Geschwindigkeit und Druck dahinter, dass es eine Freude war. Hiernach schaltete die Band mit “How the Leopard Got its Spots”, “Sugar Cinnamon” und einer längeren Percussion-Nummer einen Gang zurück. Wenn die improvisierten Teile dieser Phase des Konzerts mitunter etwas langwierig ausfielen, gab es aber immer noch genügend zu gucken. Die Band verausgabte sich sichtlich auf der Bühne und die eingangs erwähnte Beleuchtung erzeugte zusätzlich schicke Schattenspiele im Gewölbe der Moritzbastei. Spätestens zu “House Warming Party” und “Marching with 6” hatte die Band aber wieder alle eingefangen und machte noch einmal richtig Dampf. Routiniert schoben sie noch “Telling Tellers Tell Me” und “Gold Fronts” zur Zugabe hinterher und hinterließen durchweg zufriedene Gesichter.

13 Songs in 90 Minuten ergaben ein wirklich überraschend gutes Konzert. Dankbarerweise belassen es Portugal. The Man live nicht nur beim simple Anbeten der eigenen Genialität. Sie rasseln ihre Songs nicht herunter wie Klone ihrer eigenen Platte, sondern bearbeiten ihre Musik und verlassen sich auf ihr hervorragendes Teamwork untereinander – auch mit den nicht ständigen Mitgliedern der Band. Und umwerfend sympathisch sind sie sowieso alle. Lasst euch Prtugal. The Man also zu folgenden Gelegenheiten nicht entgehen:

Portugal.The Man auf Tour
18.02. Römer, Bremen
20.02. Rockhouse, Salzburg (A)
21.02. Weekender, Innsbruck (A)
22.02. Kiff, Aarau (S)
25.02. Das Haus, Ludwigshafen
26.02. Café Glocksee, Hannover
27.02. Atelier, Luxembourg
28.02. Alter Schlachthof, Lingen
29.02. Kammgarn, Kaiserslautern
01.03. KFZ, Marburg