Der Titel des neuen Albums erinnert ein wenig an die Jugendbuchreihe ‘Burg Schreckenstein’. Doch Schrottgrenze verarbeiten auf ‘Chateau Schrottgrenze’ nicht (mehr) ihre abenteuerliche Schulzeit als Punkrocker. Schließlich hat sich seit ihren Anfängen vor über zehn Jahren einiges verändert. Zu Gitarren-Indie-Pop machen sie sich jetzt Gedanken über das Leben im Allgemeinen!

“Trotzdem gibt es auch auf unserer Platte genug Abenteuer zu erleben”, amüsiert sich Sänger und Gitarrist Alex Tsitsigias über den namentlichen Vergleich mit ‘Schreckenstein’. Bei der Suche nach einem Titel für das neue Album half ihm aber sein eigener Text zum Stück ‘Kongress’. Darin zählt er unzählige Schlagwörter auf, um das abgehobene Gehabe vieler Akademiker aufs Korn zu nehmen: “Bluff – Distanzen – Schilder – Legenden – Karten – Verstanden – Verloren – Palais – Museum – Lyzeum – Sektionen – Weine – Chateau”.

Bei ‘Chateau’ kam ihm dann der Gedanke, dass dieser Begriff die Platte im übertragenden Sinne anschaulich beschreiben könnte. “Ein Chateau ist ja eigentlich nur ein großes Haus, in dem verschiedene Räumlichkeiten erlebbar sind. Während der Produktion haben wir schnell gemerkt, dass die einzelnen Stücke sehr eigene Gesichter erhalten haben. Es gab kein übergreifendes Konzept. Deswegen haben wir uns überlegt, was wir gemacht haben. Wir sind in die Stücke rein gegangen und haben an den einzelnen Atmosphären geschraubt. Wir haben die Sachen räumlich begriffen. Da war der Begriff ‘Chateau’ recht passend!”
Geholfen bei der Einrichtung der einzelnen Räumlichkeiten hat vor allem Tobias Levin. Dabei wurden Sänger Alex, Gitarrist Timo Sauer, Bassist Herr Pohn und Schlagzeuger Caddy von ihm nicht nur produktionstechnisch unterstützt. Beim Cover-Song ‘Wenn Du Da Bist’ von der Berliner Band Mutter hat Tobias sogar selber mitgespielt. “Das war ein Sonntagnachmittag, an dem wir einfach nur zu dritt im Studio waren”, erinnert sich Timo. “Tobias hat dann Schlagzeug gespielt und wir beide Gitarre.”

Natürlich hätte auch Alex das Schlagzeug übernehmen können. Bis Caddy zur Band stieß, hatte er nämlich jahrelang diese Position inne. Aber beim Rumprobieren ergab sich einfach diese Konstellation. Das Ergebnis der spontanen Zusammenarbeit wurde dann so super, dass es für die CD ausgewählt wurde. Passend dazu heißt es im Text: “Der Spaß hat doch erst begonnen./ Sag jetzt nicht, du möchtest gehen./ Häng die Jacke an den Stuhl und rauch die Zigarette auf./ Es ist so früh am Abend, und der Abend war so schön./ So selten stimmt wirklich alles – alles passt zusammen./ Es wäre so dumm von dir, ausgerechnet jetzt zu gehen.”

Doch auch Alex zieht es ab und zu hinaus in die große, weite Welt – zumindest textlich. Denn in ‘Alaska’ malt er sich aus, wie es dort sein könnte. Da gewesen ist er nämlich noch nicht. “Es ist eher ein unterhaltsamer Text ohne tieferen Hintergrund. Schon auf früheren Platten hatten wir einige Bezüge zur Natur. Was ich ein bisschen Leid bin, ist dieser Gesang über die Großstadt. Erstens wird das ja viel und gerne gemacht, so dass dieses Terrain gut beackert ist. Zweitens reizt mich diese andere Thematik mehr. Da steckt auch eine gewisse Mystik drin, die mir gut gefällt. Wir kommen ja aus Peine in der Nähe von Hannover. Der Harz ist da nicht weit. Von daher habe ich immer eine Affinität sowohl zu Bergen als auch zu Seen gehabt. Für mich ist das einfach ein guter Rahmen für die Texte, die teilweise ja auch Geschichten erzählen.” So geht es beim Song ‘Am Gleichen Meer’ weniger um die Erlebnisse dort, als viel mehr darum, wie sich Menschen trotz ähnlicher Erfahrungen doch in deutlich verschiedene Richtungen entwickeln: “Da bist du in den Ferien deiner Eltern./ So wie ich – und das war ’85./ Du feierst den Bestand ihrer Ideen./ In einem Clubstrand-Eiscafe!” Die Inspiration für das Lied ist dabei das Erlebnis, dass Gleichaltrige sich fragen, wie Schrottgrenze sich für ein Leben als Musiker entscheiden konnten. Schließlich ist das ja furchtbar unsolide. “Diese Leute machen eben lieber das Gleiche wie ihre Eltern. Das können sie auch ruhig machen. Wir bauen da jetzt kein Feindbild auf, aber das ist halt nichts für uns!”

Text: Holger Köhler