Das Beste was Pop passieren kann, ist scheinbar das Zusammentreffen von Krisen und guten Art Schools. In den Sechzigern war in Liverpool landunter. Das, was Bremen erst Jahrzehnte später treffen sollte, hatte die Stadt voll erwischt: Der Hafen lahmte und die Werften hatten keine Aufträge mehr. Die Arbeitslosigkeit war hoch und die Flucht daraus der Fußball oder Pop. Das galt auch für den jungen Studenten vom Liverpool College of Art namens John Lennon. Das Ergebnis: Mersey Beat.

Punk wiederum brauchte die englische Wirtschaftskrise der Siebziger Jahre, die am Handels- und Finanzplatz London besonders hart zu spüren war, und die Kunsthochschulabsolventen Vivienne Westwood (Harrow School of Arts) und Malcom McLaren (Royal Collage of Arts und andere) um ihn zu verfeinern. New York war am Boden, aber die Academy of Arts in voller Blüte, als in den frühen Achtzigern Rap geboren wurde. Und als Grunge Anfang der Neunziger der Durchbruch gelang, hatte Starbucks erst 150 Filialen, Microsoft gerade die erste Generation Windows auf den Markt gebracht, und Boing große Schwierigkeiten mit der Konkurrenz, jedoch Sub Pop viele Freunde am Cornish College of Arts in Seattle. Über Berlin, das Defizit der Stadt am Anfang des 21. Jahrhunderts und seine vier Kunstfakultäten (inklusive der UdK, einer Universität die sich rein der Künste gewidmet hat) brauch ich in dem Zusammenhang nichts zu sagen.
Jetzt scheint es wieder mal soweit zu sein: Rezession Baby! Das dafür gleich global. Dafür hat die USA gesorgt. Die Nachricht traf mich auf dem DLD (Digital Life Day in München) am 21.1. Gerade hatte einer auf der Konferenzbühne erzählt, dass die Weltwirtschaft sich ob der boomenden Schwellenländer von Amerika und dem Dollar emanzipiert habe. In China zum Beispiel sei nur 1% des Bruttosozialproduktes von dem Handel mit den USA abhängig. In dem Moment meldete sich mein kleines Aktien-Depot per SMS zu Wort. Das tut es immer, wenn es mehr als 5% verloren hat. Diesmal waren es dank amerikanischer Immobilienkrise mehr als 7.5 Punkte Verlust. Der Mann blieb auf der Bühne und Dich hörte ihm nicht weiter zu.

Ob das gleich eine Weltwirtschaftskrise wird, weiß man nicht. Bei der letzten vor fast 80 Jahren gab es auch noch keine Popkultur. Art Schools galten damals auch noch als völlig brotlos. Wie wird das sein, wenn eine Rezession auf eine Welt trifft, in der Pop globalisiert und Kreativität als Wirtschaftsgut weitgehend erkannt ist? Verluste wünscht man keinem, Kunst hat Mangel aber nie etwas anhaben können. Damit tröste ich mich zumindest sehr erfolgreich, wenn mein Depot wieder um Hilfe schreit.

Vom Parkett grüßt
Tim