Das Tollste an Samba ist diese Leichtigkeit. Sie steckt in allen Platten, in jedem Song. Schon als 1995 die erste EP herauskam, war sie da. Die Marschrichtung für deutschsprachigen Indiepop lautete damals: Direkt in den Kopf und dann erst in Herz, Bauch und Beine. Bei Samba hingegen ging es schon immer von unten nach oben.

Zum sogenannten „Diskursrock“ waren die Münsteraner schon fast ein Gegenentwurf, mit ihren beschwingten Beats, den fein verwobenen Gitarren und Knut Stenerts goldenen, verschnupften Melodien. Dabei schreibt Stenert großartig eigensinnige Texte. Keine, die vor der Musik stehen, um ihr die Schau zu stehlen, sondern solche, die sich mit der Musik vermählen, mit ihr eine Beziehung eingehen. Eine Beziehung, in der man sich aneinander schmiegt, aneinander aufreibt, kurzum: sich für einander interessiert. Stenert textet mit Rhythmus, mit Feingefühl für den Klang der Worte und Silben. Er muss in keiner Funkband spielen, um den Groove rauszuhaben.

Das Allertollste an Samba ist dieses Spröde. Sind ja auch Westfalen, könnte man jetzt sagen, um die regionalen Klischees zu bemühen. Es ist doch so: Wenn dich einer, den du noch nicht so gut kennst, ständig umarmt, dir ständig sagt, wie gern er dich hat, dann wirst du irgendwann skeptisch. Samba gehen da eher ein wenig auf Distanz und verzichten auf übermäßiges Kumpelgetue. Sie nähern sich langsam, wie ein scheues Reh. Und wenn es dann doch kommt und vorsichtig schnuppert, dann kann das Glück nicht größer sein.

Das Allerallertollste an Samba ist, dass die Band mit „Himmel Für Alle“ nun schon ihr sechstes Album herausbringt. Einiges hat sich geändert: Zum Beispiel ist Hirzel Hirzelnsen nicht mehr dabei, der fesche Drummer mit der Teddy-Frisur. Die Tränen trocknen, wenn man mal einen Blick auf die neue Mannschaft wirft. Tolle Typen: Tobias Siebert (Delbo, Klez_E) hat nicht nur produziert, sondern auch Gitarre und Schlagzeug gespielt, Ramin Bijan (Die Türen) hat Keyboards, Gitarren und Effekte beigesteuert, Florian Lüning (Delbo) hat ebenfalls getrommelt, und dann wäre da natürlich noch der versierte Bassist Götz Grommek, seit eh und je Stenerts treuer Weggefährte bei Samba. Die neue Belegschaft fügt sich prima ein in den Samba-Sound, bereichert ihn zudem durch bislang unerhörte Facetten: Philadelphia-Strings, pumpende Elektro-Outros und (tatsächlich!) wiehernde Prog-Rock-Tapping-Gitarren-Soli. Aber keine Sorge, alles ist so smart platziert, dass es Sinn macht und nicht zur Nummernrevue verkommt.

Insgesamt ist „Himmel Für Alle“ schon eine waschechte Sonnenscheinplatte geworden, der man anhört, dass sie in einer, wie Stenert es sagt, „völlig befreiten Atmosphäre“ entstanden ist: „Es gab keine Beziehungsprobleme zwischen Bandmitgliedern, es ging einfach nur um die Musik“. Trotzdem wehen sie immer wieder durch die flotten Songs: leichte Brisen der Wehmut, Anflüge von Melancholie. Genau das ist das Seltene an den Liedern von Samba: Sie sind gut gelaunt und empfindsam zugleich.

Oliver Minck