Das Wort “Senkrechtstarter” in Bezug auf ihr letztes Album ‘Arrive & Escape‘ in den Mund zu nehmen, wäre im Falle Lockjaw wohl etwas zuviel des Guten. Aber mit dem Titel als “neue deutsche Emo-Rock-Hoffnung” auf dem Klingelschild an die Arbeit für den selbstbetitelten Nachfolger zu gehen, sollte den Druck für eine Band doch eigentlich geringfügig in die Höhe schrauben. Wäre zumindest anzunehmen.

Aber: “Darum haben wir uns wirklich nicht geschert”, gibt Bassist Frederik gleich zu Beginn zu Protokoll. Eine Spur routinierter und selbstbewusster sei man geworden. Charmant unsportlich, weniger bissig als noch vor einiger Zeit. Nichtsdestotrotz klingt ihr Drittwerk ‘Lockjaw’ sehr ausgereift und alles andere als unsportlich. Für die Aufnahmen verbarrikadierte man sich in das selbst aufgebauten Studio und konnte so, “ohne sich von anderen Leuten reinquatschen zu lassen”, ein äußerst respektables Werk zusammenfrickeln. Für Frederik bestand nach eigener Aussage die größte Herausforderung nur noch darin, “den Überblick zu bewahren und den Haufen zusammenzuhalten”. Im Gegensatz zu vielen Genrekollegen verzichteten die Solinger auch dieses Mal auf kalkulierte Clubhit-Kandidaten, massig Overdubs und weiteren Studio-Tamm-Tamm. Das Ziel war eine “rohe englische Produktion”, wie es Frederik bezeichnet und “kein aufgeblasener Ami-Rock”.

In Zeiten, in denen Billy Talent mal eben aus dem Stand auf Nummer 1 der Album Charts schießen und die halbe Musikwelt die Finnen von Disco Ensemble in den Himmel lobt, stand ein Wechsel zu einer größeren Plattenfirmen auch für Lockjaw auf der Tagesordnung. Überzeugend kommentiert Frederik jedoch: “Der Erfolg von Billy Talent war sicherlich auch ein Argument dafür, warum sich jetzt größere Labels für uns interessieren. Klar wollten wir mit diesem Album auch eine Nummer größer gehen. Uns war es jedoch wichtig, mit einem Team zu arbeiten, bei dem mal nicht einfach so zehn Leute rausgeschmissen werden und so die Ansprechpartner ständig wechseln. So etwas kann eine Band auch kaputtmachen!” Um sich die Tore weiterhin für die Bühnen außerhalb des deutschsprachigen Raums offen zu halten, blieb man sich auch in punkto englisch Singen treu. “Wir hätten die Tour durch Spanien und Frankreich kaum machen können, wären wir auf deutsche Texte umgeschwenkt.”

Dem hinzufügen sollte man vielleicht, dass eine ausgiebige Tour und zahlreiche Festivalauftritte geplant sind und Lockjaw mit ihrer neuen Platte mindestens zwei große Schritte nach vorne gemacht haben.

Christopher Mühlig   

Lockjaw zu Hause

 

Lockjaw on Tour
26.1.2006 Solingen – Cobra
27.1.2006 Grevenbrück – OT
15.2.2006 München – Orangehouse
16.2.2006 Regensburg –  tbc
17.2.2006 Peissenberg – Tiefstollenhalle
22.3.2006 Hamburg – Hafenbahnhof
23.3.2006 Sittensen –  tbc
24.3.2006 Salzwedel – Hanseat Club