“Ein Track-by-Track? Cool! Was ist das?” Tom Meighan ist noch nicht ganz fit an diesem Vormittag. Die Nacht war kurz, das Hotelzimmer schlecht gelüftet und der English Breakfast-Tee, den er sich eben selbst gemacht hat, scheint auch keine große Besserung zu versprechen. Als der Sänger von Kasabian aber durchschaut, dass er jetzt offenbar jeden einzelnen Song auf ‘Empire’ kommentieren darf, in seiner Erweiterung vergangener Stärken um genau das richtige Maß frischen Winds das ideale zweite Album, wird er gleich spürbar munterer und setzt sich konzentriert vors Mikro. “Das hier ist Tom Meighan von Kasabian, ich werde jetzt das Album Song für Song durchgehen und erzählen, was uns inspiriert hat, als wir wie kleine fleißige Bienen daran arbeiteten.” Alsdenn.

Empire

Der Titeltrack. Eine Mischung aus MC5, Led Zeppelin und elektronischen Elementen. Das Besondere an dem Track ist der Tempowechsel, sowas machen sonst nur Bands wie Radiohead. Aber es ist heißer Punk, schmutzig, die Vocals klingen wie ausgespuckt, bösartig. Dazu der stampfende Beat des Refrains und die Geiger… Und der Breakdown in der Mitte erinnert mich an ‘Whole Lotta Love’. Es war uns immer klar, dass das der Opener der Platte werden würde. Das hier ist Runde Zwei.

Shoot The Runner

Sergio hatte das Bass-Riff noch aus dem letzten Sommer aufgehoben. Irgendwann dachten wir uns, “das ist was Besonderes, klingt besonders schmutzig”. An und für sich ist es nun ein eher traditioneller Rock-Song mit Glam-Feeling. Der Song handelt von unserem Leben während der letzten Jahre, aber der Titel hat keine weitere Bedeutung. Dafür bringt die Nummer den Raum zum Beben. Eine der stärksten Nummern auf der Platte.

Last Trip (In Flight)

Auch mit dieser Nummer wollten wir traditioneller klingen, fast ein bisschen nach den Rolling Stones, aber die elektronischen Elemente und die dicken Harmonien haben den Song dann immer gewaltiger gemacht. Ein Dancefloor-Filler und trotzdem eine echte Rock’n’Roll-Nummer, organisch, frisch, in your face, nicht mehr all diese Loops. Du kannst uns auf dieser Platte fast atmen hören.

Me Plus One

Sergio [Pizzorno, der Gitarrist] singt auf diesem Stück. Der Song klingt ein bisschen wie eine Mischung aus den Pretty Things und den Small Faces. Und die Lyrics sind unglaublich! Du fühlst dich, als würdest du in die Sterne gucken oder einen Strand entlang… Ein sehr erhebender Song! Und es sind marokkanische Streicher darauf zu hören! Der Song ist einfach großartig gemacht… Eines meiner Lieblingsstücke auf der Platte!


Sun/Rise/Light/Flies

Die Nummer ist sozusagen unser ‘Tomorrow Never Knows’, aber mit wuchtigeren Drums, mit wuchtigerem Bass. Dance-Rock’n’Roll mit einem Hauch Acid, einem Hauch LSD. Es ist fast wie ein Sonnenauf- oder untergang… ein Gefühl wie auf einem Festival.

Apnoea

Der Song handelt von dem Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Ich finde, der Song drückt pure Paranoia aus. Musikalisch geht er in Richtung Chemical Brothers, elektronisch und trotzdem Punk.


By My Side

Ich denke, dieses Stück ist der Herzschlag der Platte. Das ist die Rock-Musik der Moderne, progressives Denken, ein revolutionärer Song, der sich auch schon wieder verändert… Wenn ich das Stück singe, habe ich fast das Gefühl, die Wände brechen über mir zusammen… ein monumentaler Song! Und die Breaks in dem Stück… unglaublich…!

Stuntman

Was soll ich sagen, die Nummer ist einfach fantastisch! Du fühlst dich in einen Club versetzt, Ecstasy, Kokain, das dir direkt ins Gehirn schießt… Disco-Rock’n’Roll pur! Zusammen mit ‘Apnoea’ das aggressivste Stück auf der Platte. Im Gegensatz zu den meisten Songs, die relativ neu sind und die wir auch im Studio noch weiterentwickeln, stammt dieser aus dem letzten Sommer.

See & Destroy

Ein wunderschöner Song, der sehr von Herzen kommt, sehr persönlich ist. Das Wunderbare an dem Song ist der Refrain, “all I have now is being here with you”, wie die Beatles, aber auf Electronics.

British Legion

So etwas wie ‘British Legion’ hatten wir vorher noch nie gemacht. Es ist wie ‘Hey Jude’ oder ‘Let It Be’… Auch auf diesem Stück hat Sergio die Lyrics übernommen. Es ist wie auf dem ‘White Album’, mit all diesen verschiedenen musikalischen Stilen, die letztlich doch in ein Ganzes zusammenfinden. Der Song ist ein Klassiker, eine Hymne! Ich kann mir vorstellen, wie die Leute bei unseren Konzerten zu diesem Song mitsingen werden… Die Akkordwechsel sind einfach fantastisch… ein exzellentes Beispiel für Sergios musikalisches Können. Er hat seinen Part in einem Take aufgenommen, wir haben anschließend nur noch die Drums hinzugefügt.

The Doberman

‘The Doberman’… Fuck. Two Takes. Wie überhaupt jeden Abend während der Aufnahmen waren wir alle betrunken, als wir den Song aufnahmen. Wir hatten wegen Weihnachten zwei Wochen eine Studioauszeit genommen, als Sergio mir eine Idee zu einem Song vorstellte, und ich dachte “Fuck, wir gehen sofort wieder ins Studio, das lassen wir nicht mehr los!” Dort gab er mir die Lyrics und ich sang sie vom Blatt, ohne sie vorher je gesehen zu haben. Wir haben den ganzen Song in einem Take aufgenommen und dann die Bläser in einem zweiten. Es war einfach wunderbar!