So was nennt man dann wohl eine gelungene Geschlechtsumwandlung. Anfang der Neunziger noch als reine Frauen-Riot-Punk-Band in Berlin auf Putz und Trommeln schlagend, ist heute vom ehemaligen Line-Up nur noch Frontfrau CaroLa Rock mit von der Partie.

Begonnen hat diese seltsame Mutation 1992. Zusammen mit ein paar Mitstreiterinnen gründete Sängerin Carola die Punk’n’Roll-Combo Female Trouble. Mit geballter Frauen-Power (diesmal so gemeint, wie es da steht!) ballerte man dem staunenden Publikum so wirklich jede Falte aus dem Gesicht. Folge war, Female Trouble waren der neue Kreuzberger Geheimtipp.

Und nachdem man mit der 1994er EP “Angry Mad Pussy” die kompromisslose Rock’n’Roll-Attitüde von Female Trouble untermauerte, schickten die bösen Mädchen 1996 den lang ersehnten Longplayer “Cleanin Up The Hood“ in die hiesigen Plattenläden. Ein Käfig voller rockender Gitarrenriffs und polternder Wut in dem sich auch Carl Perkins, Chuck Berry und die Ramones wohl gefühlt hätten. Ein Jahr später erschien bereits der Nachfolger „Anarchy In The Backyard”. Ein Album, welches sich problemlos in das Punk-Gesamtwerk der Band einreihen kann.

Danach beginnt die Wandlung der Band. Aus dem „Frauenwunder“, wird eine gemischt-geschlechtliche Formation. Als erste Männer entern 1998 die Gitarristen Flo und Olli das einstige Frauen-Punk-Schlachtschiff und unterwerfen sich dem strengen Regiment von Sängerin Carola, die nach wie vor den rauen Ton angibt. Wenig später steigen noch Ex-Troopers-Drummer Micha und Basser JHarun T.F. in die Band ein und sorgen fort an für ein gleichgeschlechtliches Problem. She-Male Trouble!

Mit der 2000er EP “Burner” feuert She-Male Trouble ihr erstes Lebenszeichen Richtung Öffentlichkeit. Dennoch zwickt und drückt der neue Schuh an manchen Stellen. So entscheidet sich das neue Mischwesen für eine ausgedehnte Tour. 2003 endlich im Reinen veröffentlichen She-Male Trouble mit „Back From The Nitty Gritty“ ihr bislang bestes Album. Ein nach Punk stinkendes Ungetüm.

Beim anschließendem Tourprogramm verliert man Gitarristen Borizzo Sinclair, der sein reguläres Erwerbsleben nicht mit dem Rock’n’Roll-Leben unter einen Hut bringen kann. Mit Volker’acho hat die Band jedoch schnell einen adäquaten Ersatz gefunden. Zusammen zieht die Band durch Europa, unter anderem als Support von Dover oder Deep Purple.

2006 erscheint ihr fünftes Album “Off The Hook”. Der in Berlin entstandene Longplayer führt die schnörkellose Linie des Band-Sounds fort. Auch nach 15 Jahren Musikmacherei macht die Band keine Gefangenen. Gut so!

Hans Erdmann