Slut haben im Moment gut zu tun: Im Berliner Stadtteil Kreuzberg basteln die fünf Ingolstädter an den letzten Songs ihres neuen Albums “StillNo1”. Wir schauten auf ein paar Bier vorbei und erfuhren Erstaunliches.

“Unser letztes Album ‘Dreigroschenoper’ hat die Arbeit an der neuen Platte definitiv beeinflusst. Wir setzen inzwischen vielmehr auf klangliche Vielfalt, verglichen mit älteren Alben”, erklärt Gitarrist Gerd und nimmt einen tiefen Schluck aus seiner Bierflasche. Die Stimmung innerhalb der Band Slut wirkt gelöster denn je. Grund: Nach einem wenig erfolgreichen Anlauf mit Tobias Levin, übernahm kurzerhand Ärzte-Produzent Oliver Zülich das Steuer. “Er war ein absoluter Glücksgriff für uns – gerade weil die Sessions mit Olaf Opal und Tobias Levin nicht funktioniert haben. Da waren zu viele Diskussionen: Wie können wir diese Gitarre besser aufnehmen, geht der Gesang nicht großflächiger, oder brauchen die Songs dieses oder jenes Sample wirklich? Wir konnten das nicht mehr mit verantworten und haben uns für eine Zusammenarbeit mit Oliver entschieden.”

Zurückblickend muss das doch ein ziemlicher Dämpfer gewesen sein: Auf dem Papier wirken Levin und Opal wie ein Produzenten-Dreamteam!
Gerd: Tobias ist wahnsinnig wichtig für Slut gewesen. Bei den Aufnahmen zu unserem letzten Album hat er die musikalischen Grenzen innerhalb der Band in gewisserweise neu geprägt. Da konntest du noch so oft sagen, ich kann das nicht besser spielen – der hat nicht locker gelassen und immer 20% mehr erwartet. Sowas ist wichtig. (überlegt) Diesmal war es allerdings so, dass er sich mit seinem Kumpel Olaf nicht einigen konnte und wir im Aufnahmeraum standen und dachten: Was diskutieren die denn jetzt schon wieder!

Ich leg den Finger gleich mal in die Wunde. Im Vorfeld zur neuen Platte war die Rede davon, dass ihr euer letztes Werk “All We Need Is Silence” nicht mehr mögt, ist das so?
Gerd: Überraschenderweise habe ich das auch erst aus den Zeitungen erfahren! (lacht) Also, es ist nicht so, dass wir den klassischen Weg gehen und behaupten, alles was wir vorher gemacht haben sei nicht mal ansatzweise so gut wie das neue Material. “All We Need Is Silence” mögen wir immer noch, nur entstand es zu einer anderen Zeit. Ich persönlich kann schon mit dem Titel nicht mehr so viel anfangen.

Das hört man “StillNo1” deutlich an. Hier wird nichts zurückgefahren, sondern euer Indie-Rock auf eine ganz neue, vielschichtige Ebene gehievt.
Sänger Christian: Es sind eben nicht nur die gern genommenen Gitarren, die den Sound der Platte ausmachen. Viele Tasteninstrumente und Chöre drängen sich in den Vordergrund und geben den Songs ein ganz großes Gewand. Am liebsten hätten wir das Album in einer Turnhalle aufgenommen, aber das war nicht möglich.

Würde das Wort “Stadionrock” euch in Bezug auf einige der neuen Songs die auf der Platte enthalten sind, sehr treffen?
Christian: Es ist natürlich negativ unterlegt, keine Frage. Aber warum? Ich finde es völlig legitim, mal etwas Neues auszuprobieren. Inzwischen habe ich auch irgendwie das Gefühl, wir haben vor ein paar Jahren noch mit den Händen in den Hosentaschen musiziert. Jetzt sind da keine Finger mehr versteckt, sondern ein jeder trägt zum Gesamtergebnis bei. Ein Grund mehr, weswegen Slut heute vielmehr als ein Freundschaftding für uns Fünf ist.

Einmal darauf angesprochen, erzählt die Band kollektiv von äolischen Klangsphären, Luftgeistern oder reziproken Instrumentierungen. Sollen die Sluties ruhig, sie können es sich leisten: “StillNo1” wird auch bei all denen offene Türen einrennen, die bislang eher weniger mit der Band anfangen konnten. In einem zentralen Stück auf dem Album namens “Ariel” verabschiedet sich der Protagonist von seiner Vergangenheit – es scheint, als sei er stellvertretend für die gesamte Band. Getreu dem Motto: Auf zu neuen Ufern!

Text: Marcus Willfroth

Das Album “StillNo1” erscheint am 25.01.2008.

Slut auf Record-Release-Tour:
21.01.08 München – Atomic Café
22.01.08 Köln – Underground
23.01.08 Hamburg – Knust
24.01.08 Berlin – Lido