Zwei Jahre nach der Veröffentlichung ihrer letzten Platte ‘Rotlicht’ präsentieren sich die Kreuzüber-Pioniere Such A Surge anno 2005 kreativer, dynamischer und angriffslustiger denn je. Mit gleich zwei anstehenden Veröffentlichungen beweist der agile Fünfer erneut, dass die Band auch über eine Dekade nach ihrer Gründung noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Zunächst dient mit ‘Mission Erfuellt’ eine EP als quasi Appetithappen zum neuen Silberling “Alpha”. Mit einer ausgewogenen Mischung aus Härte, Intelligenten Texten und einer gesunden Dosis Provokation dürfte der Longplayer unter Fans wie Kritikern dann im Anschluss für ziemlich Furore sorgen. Oli (Gesang) und Antek (Schlagzeug) ziehen Bilanz!

Habt ihr alle Stücke komplett mit Wolfgang Stach produziert und aufgenommen?
Oli: Ja, ausnahmslos. Wir haben die Platte komplett in zwei verschiedenen Kölner Studios aufgenommen. Ein Teil der Songs entstand bei der ersten Session, im Anschluss haben wir eine kleine Pause eingelegt, um noch ein paar mehr Songs zu schreiben. Dann sind wir ins zweite Studio gegangen.

Wie viele Songs habt ihr den insgesamt aufgenommen?
Antek: 16 oder 17. Wir haben noch eine Nummer mit Afrob aufgenommen, die weder auf der Platte, noch auf der EP erscheinen wird. Dieser Song wird dann auf der neuen Brotherkeepers-Platte erscheinen.

Welche Themen waren euch bei Alpha besonders wichtig?
Oli: Man überlegt sich vor einem Album schon, was man textlich alles verarbeiten will. Ich habe alles aufgeschrieben, was aus meinem Kopf herauskam. “Mission Erfuellt” war zum Beispiel einer der ersten Songs, die wir für diese Platte geschrieben haben. Generell kann man bei der Platte eigentlich wieder sagen, dass alles vertreten ist. Es gab auch einige Stücke, wo mich die Musik beeinflusst hat, für die Idee, die ich hinterher dann in punkto Text hatte. So ging es mir beispielsweise beim Song “Überfall”. Da hatten die Jungs die Musik vorher schon eingespielt, und mir war dann sehr schnell klar, welche Art Text ich dazu schreiben will. Es gibt auch ein paar Songs, die vielleicht weniger kopflastig sind, sondern eher breitbeinig dastehen. Da schreibe ich dann auch den entsprechenden Text dazu. Das hat auch wirklich sehr viel Spaß gemacht.

Der Song “Mission Erfüllt” richtet sich ja eindeutig gegen den Irak-Krieg. Dennoch werden die Vereinigten Staaten kein einziges Mal explizit erwähnt. War es dir wichtig, das Thema Krieg eher allgemein anzusprechen und nicht in einen spezifisch antiamerikanischen Kontext zu verpacken?
Oli: Nein, das war mir eigentlich nicht so wichtig. Ich denke, die Worte “George Bush” oder “Amerika” mussten einfach nicht fallen. Ich wollte darstellen, was meiner Meinung nach mit jemandem passiert, der immer noch dort kämpft, obwohl die ganze Welt mittlerweile weiß, dass es doch um andere Interessen ging, und dass es einfach nur Lügen waren, die den Soldaten mit auf den Weg gegeben wurden. Was geht in so jemandem vor, der vielleicht nicht mal mehr weiß, was genau er dort noch soll. Jemand, der einfach nur nach Hause will.

In der damaligen Info zu “10 Jahre Such A Surge” stand der Vermerk, dass mit der Veröffentlichung von “Surge Effekt” für euch damals so etwas wie ein Kreislauf abgeschlossen war. Ist für euch Alpha jetzt im Gegenzug so etwas wie ein neues Kapitel, ein Neubeginn?
Antek: Ja, das kann man so sagen. Da bricht eine neue Zeit an. Schon alleine weil wir einen neuen Gitarristen, den Lutz, haben. Der hat das Album natürlich auch sehr geprägt. Von daher ist es ein anderer und neuer Weg für alle Beteiligten. Schon alleine weil es weder intern, noch musikalisch das Gleiche ist, wie es noch vor zwei Jahren war.

Was war der Grund für den Gitarristenwechsel?
Oli: Es sind persönliche Gründe von Dennis gewesen. Ich denke, für ihn war einfach die Zeit gekommen mal etwas anderes zu machen. Um es auf den Punkt zu bringen: Er hatte einfach keinen Bock mehr.

Seid ihr im Guten auseinandergegangen?
Oli: Ja , sehr. Wir sind auch nach wie vor gut befreundet mit Dennis. Wir sehen uns oft. Da gibt es keinen Zwist.

Ist es euch peinlich, wenn euch die Presse als deutschsprachige HipHop und Crossover-Pioniere bezeichnet ?
Oli: Das ist uns überhaupt nicht unangenehm. Man denkt sich: “Wow, ist das wirklich so? Danke!” Darauf ist man natürlich ein wenig stolz. Es ist einfach so, dass seit 1992 vermehrt Bands auf deutsch gesungen haben. Früher gab es da, mal abgesehen von den großen und bekannten Bands, nicht allzu viele.

Irgendwo stand kürzlich der Slogan “Man singt wieder deutsch”: Als Beispiele müssen dann Bands wie Silbermond oder Juli herhalten. Denkt ihr wirklich das ist eine Art Neue Bewegung, oder geht das eher in Richtung Hype?
Oli: Neue Bewegung? Wahrscheinlich nicht unbedingt. Die Tür für deutschsprachige Musik ist ja schon ziemlich lange offen. Es gibt zwar einige aktuelle Sachen, die ich ganz gut finde, aber es gibt natürlich genauso ein paar Dinge, bei denen ich mir wünschen würde, dass die Leute eher auf Englisch singen. Oder in anderen Sprachen, die ich nicht verstehe. Aber es gibt auch wirklich ein paar gute Sachen.
Antek: Ich glaube, man hat sich mit der deutschen Sprache einfach viel zu lange im HipHop-Sektor ausgetobt. Jetzt sucht man nach etwas neuem, und probiert Dinge, die man eigentlich auf Englisch gewohnt war, einfach mal auf deutsch aus. Das ist einfach nur eine Weiterentwicklung, weil man von anderen Sachen genug hat.
Oli: Das ist schon cool. Das man plötzlich nicht nur HipHop, sondern auch angerockte Sachen auf deutsch zu hören bekommt.

Was wünscht ihr euch nach der Veröffentlichung der Platte am meisten?
Oli: Eine Tour spielen, zu der ganz viele Leute kommen. Die Leute sollen sagen “Wow, was ist denn da los, da wird ja richtig angegriffen!”. Das ist wirklich eine gute Platte geworden. Wir sind schon stolz und hoffen, dass es sehr vielen Leuten auffallen wird. Ich denke dass es, was Such A Surge angeht, auch viel Neues zu hören gibt.

Text: Benedikt Dominik