Eigentlich unfassbar, was der 1980 geborene Singer-Songwriter Conor Oberst mit seiner Gruppe Bright Eyes in den letzten Jahren erreicht hat. Nach dem Erfolg von “Lifted Or The Story Is In The Soil, Keep Your Ear To The Ground” trat das (Wunder-)Kind nicht nur in aller Herrenländer, sondern auch bei Amerikas legendärem Late-Night-Showmaster David Letterman auf. Damit nicht genug, denn im vergangenen Oktober spielte Oberst an der Seite von Bruce Springsteen und R.E.M. im Rahmen der ‘Vote For Change Tour’ in sämtlichen Swing States der USA. Der erwünschte Erfolg blieb den Bush-Gegnern zwar verwehrt, doch der Siegesmarsch von Bright Eyes wird mit den parallel erscheinenden Alben Nummer fünf und sechs (‘I’m Wide Awake, It’s Morning’ und ‘Digital Ash In A Digital Urn’) nicht mehr zu stoppen sein.

Als erstes Indiz dafür sprechen wohl die Billboard Hot Single-Verkaufscharts. Obwohl diese nicht im direkten Zusammenhang mit den in Amerika wichtigeren Airplay-Charts stehen, belegte Bright Eyes mit seinen beiden Singles “Lua” und ‘Take It Easy’ als erster Künstler nach nunmehr sechs Jahren die Plätze 1 und 2 (von den Verkäufen weit dahinter auf Position 3 dann Snoop Dogg). Spricht man Conor auf diesen Umstand an, folgt ein Lächeln und ungläubiges “Keine Ahnung, wie das passieren konnte – müssen wohl einige Leute die Platten gekauft haben”-Statement. Wirkliche Konsequenzen, sprich der Wechsel zu einem Major-Label, wird es aber nicht geben, versichert der mittlerweile neben Omaha auch in Manhattan lebende Amerikaner. “‘Saddle Creek’ ist seit dem ersten Tag von Bright Eyes gegenwärtig und irgendwo auch ein Teil der Band. Unsere Beziehung basiert auf Freundschaft, und es ist heute nicht anders als noch vor ein paar Jahren. Abgesehen davon kann man inzwischen auch nicht mehr wirklich glücklich sein, wenn man bei einem Major unter Vertrag ist. Sie gehen doch gerade alle den Bach runter”, erklärt Oberst nüchtern.

‘I’m Wide Awake, It’s Morning’ und ‘Digital Ash In A Digital Urn’ verbindet nach den Aussagen des Bright Eyes-Kopfes lediglich die Tatsache, dass die beiden Werke von der selben Band stammen. Nicht ganz richtig, denn auf beiden Alben unterstützen sämtliche namhafte und natürlich unterschiedliche Künstler der Omaha/Saddle Creek-Armada aber auch einzelne befreundete Musiker von Gruppen wie den Yeah Yeah Yeahs oder My Morning Jacket das Schaffen von Bright Eyes. So entsteht am Ende eine eher typische Bright Eyes-Singer-Songwriter-Folk Platte (“I’m Wide Awake…”) und die deutlich lebhaftere Indie-Pop Variante (“Digital Ash…”). Was letztlich dann doch die beiden Outputs vereinigt, sind die famosen Texte über die Höhen und Tiefen des Lebens. Klingt nach der perfekten Grundlage für ein Buch. “Ich schreibe hin und wieder für mich und habe auch schon oftmals darüber nachgedacht, ein Buch zu schreiben. Aber Songtexte zu formulieren und Prosa zu verfassen ist etwas völlig unterschiedliches. Es ist zurzeit mehr ein Traum als ein konkreter Plan.” Doch wie heißt es so schön – erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Das Zeug dazu hätte der (Wunder)-Knabe mit Sicherheit.

Text: Manuel Möglich