Hoppla, was macht Keith Murray von We Are Scientists denn da zwischen den Bandmitgliedern der Arctic Monkeys? Warum hält er denn die Dankesrede für die Shootingstars, die just bei den Brits 2006 ‘Best Breakthrough Act’ gewonnen haben? Und warum strahlt das Fernsehen sowas überhaupt aus?

Zum einen: die Arctic Monkeys ziehen wieder einmal ihre Verweigerungshaltung gegen das Medium Fernsehen durch und weigern sich weiterhin, Fernsehinterviews zu geben. Selbst wenn sie den Preis des Jahres erhalten, so nehmen sie nicht am Medienrummel teil. Zum anderen: die Arctic Monkeys haben optisch eine echte Aufwertung erfahren. Keith Murray von We Are Scientists macht rein äußerlich einiges her und redet halt einfach gerne. Was für ein Glück, dass beide Bands gerade gemeinsam bei der NME-Tour mit Maximo Park und Mystery Jets unterwegs sind und die Insel gerade zum Beben bringen. Die Arctic Monkeys geben sich maulfaul wie immer und Keith Murray hat seinen Spaß.

Wo wir schon beim richtigen Stichwort wären. Spaß. Anders ausgedrückt Humor. Dieser kommt bei We Are Scientists keinesfalls zu kurz. Nur zu gerne reden sie sich bei Interviews um Kopf und Kragen, lassen sich mit kleinen Kätzchen vor ihren Gesichtern abbilden und werden in ihrem Video zu ‘Nobody Move, Nobody Get Hurt’ in bester Björk-Manier von einem lebensechten Teddybär durch das Video gejagt in Anlehnung an das ‘Sabotage’-Video von den Beastie Boys. All das führt dieser Tage dazu, dass das Debüt ‚’With Love And Squalor’ von Chris Cain (Bassist), Keith Murray (Sänger, Gitarrist) und Michael Tapper Drummer) mit Lobeshymnen und viel Aufmerksamkeit bedacht wird. Und das zu Recht.

‘With Love And Squalor’ ist tight. Es hat Hitsingles. Dessen sind sich We Are Scientists durchaus bewusst. Hört ein Titel des Albums nicht grundlos auf den Namen ‘It’s A Hit’. ‘With Love And Squalor’ kommt ohne Umwege schnell auf den Punkt. Der New Wave-Gedanke vereint sich mit Tanzbarem. Eine Mischung wird einem dargeboten, die pulsiert und dir in die Lenden fährt. Die von einem treibenden Schlagzeug dirigiert wird. Und wenn Keith Murray dann noch ‘If You Want To Use My Body Go For It’ mit Nachdruck ins Mikrofon presst, dann kann man das Ganze schon als Musik für die unteren Körperregionen abtun. Sexy ist das allemal.

So wie Michael Tapper, Schlagzeuger der Band. Dieser hat jüngst ‘DIY Beard Of The Year 2005’ gewonnen und ist ein wenig stolz auf diesen ungewöhnlichen Preis. Zufrieden zieht er an seiner Zigarette und gibt nach dem Ausblasen des Rauches Auskunft zu dem ungewöhnlichen Albumcover. Drei kleine Kätzchen verbergen die Gesichter der drei Bandmitglieder, und wir Mädchen sind entzückt. Dem Kindchenschema sei dank: “Eine Freundin hatte eine streuende Katze bei sich zu Hause. Leider mochte ihr Hund diese nicht, also nahm ich sie bei mir auf. Zu diesem Zeitpunkt war mir nicht bewusst, dass diese Katze trächtig war. Ein paar Wochen später hatte ich einen Wurf kleiner Kätzchen bei mir im Zimmer, die mir nachts immer in die Zehen gebissen haben. Nervig, aber süß zugleich. Wir kamen dann irgendwann auf die Idee, Fotos mit den Babys zu machen. So ist das Cover entstanden. Und ja, viele Leute dachten am Anfang dass wir potthässlich sein müssen. Wer sonst hat es nötig, sich mit kleinen Katzen zu schmücken?”

Noch lachend nimmt er einen Schluck aus seinem Bier und erzählt von einem ihrer ersten Auftritte. Seit 2000 musizieren We Are Scientists miteinander, und nicht immer lief alles so glatt wie heutzutage. So spielten die drei schon einmal aus Versehen in einem Metal-Club: “Ich denke immer noch, dass wir diesem Club ein Tape von uns geschickt haben. Uns selbst war leider nicht klar, dass das ein Metal-Club war. Wir haben nur versucht, einen Auftritt zu bekommen. Kurz zuvor waren wir nach New York gezogen und wussten nicht, wo wir spielen sollten. Blöderweise haben wir unseren Auftritt dann noch mit dem langsamsten Song begonnen, den wir im Repertoire haben. Alle die dort waren – bis auf unsere Freunde – haben den Club sofort verlassen. Der Clubbesitzer war so sauer auf uns, so dass er uns nur 15 Minuten spielen ließ. Das war witzig.”
Heutzutage rennen die Leute nicht mehr aus dem Club. Die Mädchen versuchen in die erste Reihe zu gelangen, um einen besseren Blick auf Keith Murray zu verwerfen. Und die Clubs werden jedes Mal voller. Was bei der Musik nicht verwunderlich ist.

Text: Tanja Hellmig