Was wäre die Musikwelt ohne die Exportschlager aus dem hohen Norden – ohne Knalltüten in schicken Anzügen und ohne posenden Rockjünger in Lederjacken? Ganz so extravagante Entertaintmaschinen wie ihre skandinavischen Nachbarn sind die Figurines zwar nicht, doch der Vierer beweist, dass auch das dänische Königreich mindestens eine vorzeigbare Indie-Rock-Band zu vermelden hat. Aber das lest und hört ihr am besten selbst.

Im Vorprogramm von Moneybrother tourten die Figurines im letzten Jahr durch die Lande, doch wer glaubt, dass ganz Skandinavien ein frohes Musikantenstadl ist, der irrt. In Schweden ist unser Quartett zwar “ein wenig” bekannt, verrät mir Sänger Christian Hjelm, doch von dem erfolgreichen jungen Herren, mit dem sie sich einige Wochen lang die Bühne teilten, hatten sie zuvor noch nie gehört, “obwohl er ja eine Menge Platten verkauft hat”. Seine eigene Band muss Christian in seiner Heimat niemanden mehr vorstellen, denn zusammen mit Andreas Toft, Claus Salling Johansen und Kristian Volden hat er das Debüt ‘Shake A Mountain’ im letzten Jahr gekonnt in den vorderen Rängen der dänischen Charts platziert und mit einfach gestricktem und bodenständigen Indie-Rock überzeugt. Erfolg hin, Charts her, das große Rockstarleben führen sie nicht, denn wenn die Figurines nicht auf der Bühne stehen, wird ordentlich studiert: Englisch, Film und Lehramt. “Wir sind eine Art Uni-Band. Oh, hab ich das wirklich gesagt, das klingt jetzt total langweilig oder?” Nein, zumindest nicht mit so einer sympathischen und frohrockenden Scheibe wie dem neuen Album ‘Skeleton’ im Rücken. “Mit ‘Shake A Mountain’ wurden wir immer mit Built To Spill, Pavement und Modest Mouse verglichen, aber nie in einer negative Art und Weise“, erinnert sich Christian. “Ich denke, dass es für eine neue Band, die ihr Debüt veröffentlicht, ganz normal ist, mit bekannteren Bands verglichen zu werden, damit die Leute eine Vorstellung bekommen.” Stilistisch sind sie sich mit ihrem Album treu geblieben und bestechen durch einen variablen Sound aus ein bisschen Country und ein paar Klaviereinsätzen, gepaart mit verschiedensten Einflüssen, so wie das “‘White Album’ der Beatles zum Beispiel. Es ist ein Haufen ganz unterschiedlicher Songs, wenn man sie miteinander vergleicht. Und doch gibt es etwas, das sie vereint.” In Falle ihr von ‘Skeleton’ ist das sicherlich auch der hohe Standard der einzelnen Lieder, die sich fast alle zu Ohrwürmern mausern, wenn man ihnen nur ein paar Hördurchgänge gönnt.

Text: Ina Göritz