Bei einem Bandnamen wie dem von Under the Influence of Giants werden alle erwarten, dass ihr Sound wie die Summe der unterschiedlichen Einflüsse klingt. Und doch ist die aus Los Angeles stammende Band alles andere als leicht zu kategorisieren. Ihr gleichnamiges Debütalbum, das in Kürze bei Island Records erscheint, lässt schon früh erkennen, dass der mit Funk infizierte, mit Hooks beladene Pop-Soul-Sound der Giants eine vielschichtige Kombination aus den polyrhythmischen Grooves der Talking Heads („Ah-ha“, „Got Nuthin’“), den Falsetto-Gesängen von Michael Jackson oder Prince („Mama’s Room“), dem blauäugigen R&B von Hall & Oates und George Michael („In the Clouds“), den bestechenden Popmelodien von Rubber Soul („Stay Illogical“), dem mit Bläsern versetzten, düsteren Funk von Earth, Wind & Fire („Against All Odds“) und McCartneys Hang zu gefälligen Balladen („Lay Me Down“) bereithält. Selbst die klackernden Beats des Post-HipHop, wie man sie heute auch bei Madonna finden kann, kommen in ihrem eklektischen Sound nicht zu kurz („Meaningless Love“).

„Wir hatten allesamt das große Glück, von Eltern abzustammen, die einen schon früh auf den rechten Weg gebracht haben“, erzählt Aaron, der mit Drew schon als Teenager gemeinsam in Bands spielte. Als Jamin, dessen Vater Willie Wilcox bei Hall & Oates und Utopia am Schlagzeug saß, dann vor zwei Jahren dazustieß, war der Grundstein für Under the Influence of Giants gelegt. „Schon bei unserem ersten Zusammentreffen, als ich zum ersten Mal ihre Musik hörte, fiel mir etwas auf“, berichtet Jamin. „Sie hatten genau das Potenzial, das ich schon immer in einer Band gesucht hatte!“

„Jamin war ein absoluter Glückstreffer – seine Herangehensweise passte von Anfang an perfekt zu dem, was Drew und ich machten. Unsere individuellen Ansätze ergänzten sich einfach perfekt“, erinnert sich Aaron. „Als wir dann mit dem Songwriting begannen, wurde uns sofort klar, dass wir entweder etwas unfassbar Grandioses, etwas Monumentales auf die Beine stellen würden, oder aber das Resultat würde absolut grausam sein… Uns war klar, dass das Ergebnis in eines dieser Extreme gehen würde, dazwischen gab’s nichts!“
Aaron, Drew und Jamin hatten schon zuvor in Bands gespielt, die Verträge bei Majorlabels hatten. Darum wussten sie auch ganz genau, was sie nicht wollten. Ihnen war einzig die Arbeit an neuen Songs, an aufregendem Material wichtig – ein Deal konnte zunächst warten. Als die ersten Stücke dann im Kasten waren, gewannen sie auf eigene Faust eine erste Fanbase für sich: mit einer ganzen Serie von Konzerten und durchs Internet. „Wir hatten schon in der Vergangenheit gelernt, wie die Labels funktionieren. Wir wussten, was zu welchem Zeitpunkt passieren sollte“, erklärt Drew. „Wir kennen die Fettnäpfchen, in die man treten kann, wissen, an welchen Punkten man besonders vorsichtig sein muss…“

„Perfekt war, dass wir eigenhändig schon eine Menge auf die Beine gestellt hatten, bereits eine Anhängerschaft hatten, als die Majorlabels dann irgendwann Interesse bekundeten“, ergänzt Aaron.

Die Band richtete sich eine Seite bei Myspace.com ein, und schon bald konnten sie unglaublich viele „Friends“ auf ihrer stetig wachsenden Liste verzeichnen. „Ohne Vertrag war das der einzig logische Weg. Es war alles, was wir machen konnten“, führt Aaron weiter aus. „Es war unsere einzige Möglichkeit, die Leute auf unsere Konzerte aufmerksam zu machen.“ Dave, der erst vor acht Monaten dazustieß und die Band komplettierte, fügt nickend hinzu: „Myspace ist die ideale Plattform, ein perfekter Ort, um sich mit seinen Freunden auszutauschen. Um mit Leuten in Kontakt zu treten, die sich für einen interessieren.“

Dann nahm die Band eine erste Fünf-Song-EP auf (inklusive den Song „Mama’s Room“), die sie übers Netz und bei Live-Shows verkauften. Ein Großteil der Songs dieser EP landete schließlich auch auf ihrem Debütalbum. Sowohl die EP als auch das Album wurden von Brad Smith und Christopher Thorne aufgenommen, zwei ehemaligen Mitgliedern der Band Blind Melon.

„Gemeinsam könnte man die beiden fast schon als unser fünftes Mitglied bezeichnen“, erzählt Aaron über Smith und Tyrone. „Sie sind unsere besten Freunde, fast schon wie ältere Brüder. Sie nehmen kein Blatt vor den Mund, lassen es uns knallhart wissen, wenn wir zu viel Quatsch machen oder einen schlechten Tag haben. Dadurch haben wir unglaublich viel von ihnen gelernt – sie haben uns wahnsinnig viele von ihren Erfahrungen mit auf den Weg gegeben. Sie waren lange Jahre selber in Bands, und sie wissen, wie das Leben auf Tour ist, wie es ist, wenn die Wünsche und Pläne entweder aufgehen oder aber in die Brüche gehen. Es ist perfekt, sie an der Seite zu haben, denn sie helfen uns ungemein dabei, eine klare Linie zu verfolgen.“

Under the Influence of Giants ist ein untypisches Album für eine Gruppe von Mittzwanzigern, die nicht einmal davor zurückschrecken, Olivia Newton-Johns „Let’s Get Physical“ oder Bob James’ Heads-Album als Quellen der Inspiration anzuführen. „Viele der Texte handeln von denjenigen Erfahrungen, die wir auf unserem bisherigen Weg gemacht haben“, erläutert Aaron. „Besonders häufig geht es darum, den richtigen Sound zu finden.“

Weiterhin erklärt er, dass „Mama’s Room“, in dem sich der Text um eine heiße Nacht im Bett der Mutter dreht, „von demjenigen Gefühl handelt, wenn man etwas macht, von dem man eigentlich weiß, dass man es besser nicht tun sollte.“

Was letztlich auch eine absolut treffende Beschreibung des scheuklappenfreien Wahnsinns ist, der sich hinter der musikalischen Herangehensweise von Under the Influence of Giants verbirgt.

„Die Platte ist eine musikalische Reise, die unglaublich viele Einflüsse verschiedener Bands beinhaltet“, fügt Jamin hinzu. „Wir funktionieren ungefähr wie eine Mausefalle: Jederzeit können wir zuschnappen und den unvorbereiteten Zuhörer mit einem neuen Twist in unseren Bann ziehen!“

Es handelt sich bei besagter Reise jedoch um einen Trip, bei dem sich ein Kreis schließt: Die Fackel des Pop der vergangenen Dekaden wird an die nächste Generation von Musikjunkies weitergegeben.

„If you cross me/I promise you’ll see“ („Wenn du auf mich triffst, wirst du einsichtig“), singt Aaron auf „Ah-ha“. Under the Influence of Giants wird den Leuten die Augen und Ohren für die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft des Pop öffnen.

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