Man könnte es für einen Promotion-Gag halten: Billy Gould, ehemals Bassist bei den legendären Faith No More, geht wieder auf Tour – und zwar ausgerechnet mit der deutschen Noise-Pop-Institution Harmful. Wer die Band um die Frontmann Aren Emirze kennt, weiß allerdings, dass diese Jungs für billige Marketing-Aktionen nicht zu haben sind; genauso wenig wie Gould.

Eigentlich hatten Harmful Gould ja nur engagiert, um ihre neue Platte ‘7’ zu produzieren. Beim Studioaufenthalt kristallisierte sich allerdings schnell heraus, dass man nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich auf einer Wellenlänge liegt. Aren erinnert sich: “Während der Aufnahmen hockten wir ständig zusammen in der Küche und redeten einfach stundenlang. Und bei diesen Gesprächen merkten wir, wie viele Gemeinsamkeiten es zwischen uns gibt. Klar, Faith No More agierten auf einem anderen Level als Harmful; nichtsdestotrotz gibt es unzählige Parallelen.”
Hinzu kam eine ähnliche Herangehensweise ans Songschreiben, wie Gould ergänzt: “Die Songs, die mir Aren vorab geschickt hat, klangen bereits einfach gut. Als wir dann mit den Arbeiten angefangen haben, merkte ich aber zudem schnell, dass die Jungs wirklich mit Herz und Seele dabei sind. Vor allem hatten sie Spaß – eine ganz wichtige Voraussetzung.”
Angst, dass manch einer diese Kooperation in den falschen Hals bekommen könnte, haben Harmful dabei nicht. Denn: “Es ist ja nicht so, dass wir auf der Platte ‘Faith No More featuring Harmful’ oder so stehen haben. Außerdem: Wer Harmful kennt, weiß ganz genau, dass wir immer nur das machen, worauf wir Lust haben.”
Wohl wahr. Und so bietet auch ‘7’ eben die Art von Musik, für die man Harmful kennt und liebt: Krachende Gitarren, unterschwellige Melodiebögen, gleichermaßen komplexes wie eingängiges Songwriting. Demnächst dann auch wieder live in hiesigen Clubs zu bewundern – nur jetzt eben nicht mehr als Trio, sondern als Quartett. Und das ist dann auch das einzige, bei dem Gould ein etwas mulmiges Gefühl hat: “Naja, ich bin seit zehn Jahren nicht mehr getourt – mal sehen, was mein alter Körper nach so vielen Jahren zu den Konzert-Strapazen sagt!”

Tito Wiesner