Eine Band wie She Wants Revenge ist normalerweise ein dankbares Opfer für jeden Szenepolizisten, schließlich ist einfach, jemanden zu kritisieren, der sich so bedenklich nah an seinen großen Vorbildern orientiert – zumal die beiden Revenge-Mitglieder zuvor eher im HipHop zu Hause waren zu allem Überfluss auch noch auf Fred Dursts ‘Flawless’-Label residierten.

Trotzdem ist man geneigt, im Falle des Achtziger-Wave-Pop von She Wants Revenge eher an etwas zu gut gemeinte Heldenverehrung zu glauben als an skrupellose Trendreiterei. Wer würde schon Songtitel wie ‘Tear You Apart’, ‘Out Of Control’ und ‘These Things’ in den Raum werfen oder eine eins zu eins übernommene ‘Blue Monday’-Melodie wie in ‘I Don’t Wanna Fall In Love’ benutzen, ohne dabei zu erwarten, dabei mit Joy Division, The Smiths oder eben New Order verglichen zu werden?! So naiv wäre wohl selbst der dreisteste Dieb nicht. Als reine Lobhudelei seiner Lieblingskünstler möchte DJ Adam Bravin oder Adam 12, wie die eine Hälfte von She Wants Revenge auch genannt wird, das Ganze dann aber auch nicht verstanden wissen: “Wir sind eben in den Achtzigern aufgewachsen, und natürlich haben uns da diese Sachen beeinflusst, das ist ein Teil von uns. Trotzdem verstehe ich nicht, warum wir immer auf die Vergleiche mit diesen Bands reduziert werden. Da ist noch so viel mehr in unserer Musik.” Wie zum Beweis schiebt er dann auch gleich hinterher: “Wir sind mit Eltern aufgewachsen, die alle möglichen Arten von Musik gemocht haben. Mein Vater hat viel Funk und Soul gehört und meine Mom Jazz und Rock’n’Roll. Dieses Achtziger-Zeug war die erste Musik, die ich selbst für mich entdeckt habe, zusammen mit HipHop – das habe ich also nicht von meinen Eltern. Deswegen war das für uns beide besonders wichtig!”

Aber nicht nur in dieser Fülle von Einflüssen sieht Adam einen großen Unterschied zu den hippen Bands der aktuellen Retro-Welle. “Ich weiß nicht, warum diese Bands diesen Sound bevorzugen, aber ich weiß, es gibt da draußen Bands, die machen ehrliche Tanz-Musik und es gibt Bands, die machen das nur, weil es gerade angesagt und erfolgreich ist.” Dass She Wants Revenge nicht zu letzterer Kategorie zählen, mag man gern glauben, wenn man Adam so reden hört. Und auch wenn She Wants Revenge oft an eine moderne Coverversion alter Genre-Klassiker erinnern, dürfte das Ganze auf dem Dancefloor vorzüglich funktionieren.

Ob man das braucht oder nicht, kann ja jeder für sich entscheiden. In ihrer Heimat haben sie sich damit jedenfalls schon eine große Fanbase erspielt, zu der auch Joaquin Phoenix zählt, der das Video zur Single ‘These Things’ drehte. Man darf gespannt sein, ob sie hier ähnlich einschlagen werden!

Text: Thomas Müller