“Real name, no gimmicks”! So stellte Eminem seinen Kumpel Obie Trice in ‘Without Me’ vor. Eine Beschreibung, die auch gut auf den Berliner MC Dean Dawson zutrifft, denn auch er kann getrost auf alle überflüssigen Spielereien verzichten. Ein Mann, ein Mic – und ein paar hervorragende Beats – mehr braucht Dean nicht, um mit seiner CD ‘Streetlife Report’ klarzustellen: “HipHop music will never die”!

Schon die entsprechend benannte Single ‘Hip Hop Music (Will Never Die)’ war im Herbst letzten Jahres ein beachtlicher Erfolg. “In der Szene ist das Stück sehr gut angekommen, was auch bei den Live-Auftritten zu merken ist. Die Leute kennen den Song und gehen drauf ab. Es geht einfach darum, diesen Knackpunkt zu erwischen. Und ich denke, dass werde ich mit meinem Album nun auch schaffen. Denn darauf werden so viele Stile, so viele Menschen und so viele gesellschaftliche Punkte angesprochen, dass eigentlich niemand sagen kann, dass es nichts für ihn ist!”

Vielseitig ist das Album wirklich: In den Beats, in den Styles, in den Themen, in den Stimmen – und sogar in den Sprachen, wie Dean schon im Intro ‘On Air’ klarstellt. “Da rappe ich ein paar Zeilen in spanisch und Patois. Die zwei Sprachen habe ich gelernt, als ich als Jugendlicher in Costa Rica gelebt habe. Das war eine wichtige Phase in meinem Leben.”

Eine andere wichtige Phase war die Zusammenarbeit mit Oliver ‘Harry’ Harris. Denn bevor Harry solo und mit Sido als Deine Lieblingsrapper loslegte, machte er schon Ende der Neunziger Jahre zusammen mit Dean als die Spezializtz HipHop-Deutschland unsicher. 1998 veröffentlichte das Duo sein Debüt ‘G.B.Z.-oholika’, zwei Jahre später folgte ‘G.B.Z.-oholika II’. Seitdem haben sie zwar immer wieder mal was zusammen gemacht, aber trotzdem hat sich jeder der Beiden auch für sich weiterentwickelt. So kommt nun die nächste wichtige Phase für Dean: Das Solo-Ding. Wobei das natürlich relativiert werden muss, denn selbstverständlich hat Dean ein paar Gäste ans Mic gebeten, u.a. US-Rapstar DMX, D-Flame, ASD (also Afrob und Samy Deluxe) und Da-Fource-MC Charnell. “Ich wollte auch nicht zu viele dabei haben. Sie sollten nur ein bisschen die jeweilige Atmosphäre etwas verändern. Vielseitigkeit ist das Wort, welches das Album wohl am Besten beschreibt.”

Um die unterschiedlichen Stile unterzubringen, brauchte Dean natürlich auch verschiedene Produzenten. Die Beats kommen daher von Dean selbst, Desue, DJ Rocky, Montana und der Bock Auf’n Beat Garde, die ja dieses Jahr schon u.a. für Nico Suave das Album ‘Mit Liebe Gemacht’ und somit auch die aktuelle Single ‘Lovesong’ produziert haben. Apropos Lovesong: Mit ‘Das Verlangen’ hat auch Dean ein Stück aufgenommen, das nicht in der üblichen HipHop-Manier Frauen zum willenlosen Sexobjekt degradiert, sondern nach eigener Ansage “strictly for the ladies” mit romantischen Reimen aufwartet. “Mit so einem Song hat bestimmt keiner gerechnet – vor allem nicht aus meinem Mund. Aber auch nicht aus dem deutschen HipHop-Bereich, wo doch alle nur noch erzählen, wie real sie sind und auf Gangster machen.”

Dean setzt stattdessen lieber auf andere Themen. ‘G.B.Z.-Style’ ist ein Clubtrack, auf den nicht nur alte Spezializtz-Anhänger abfeiern werden. Die Wilder-Western-Bezüge in ‘Ein Guter Tag Zu Sterben’ werden mit dem Gitarrenspiel von Jazzalou veredelt. Vor falschen Moves warnt er in ‘Tage Des Donners’. Und zusammen mit Joy Denalane erklärt er in ‘Mary J’ seine Liebe zu einer ganz besonderen Blüte des Lebens ziemlich zweideutig. Der persönlichste Track ist allerdings ‘Vater Morgana’, in dem Dean über die Beziehung zu seinem Vater spricht, der seine Familie sitzen ließ. “Das hatte viel mit dem Beat zu tun. Als ich den gehört habe, dachte ich, dass ich damit endlich mal abschließen könnte. Das ist eine Sache, über die ich nicht immer wieder nachdenken will. Ich bin selber Vater und möchte das alles besser machen als mein Alter, der nie da war. Ich wollte das mal rauslassen, da ich weiß, dass es vielen Leuten genauso geht.”

Text: Holger Köhler