Vergangenen Sonntag wurden in Hollywood zum 80. Mal die Oscars verliehen, und als deutscher Filmfan machte die Show mal wieder nur den halben Spaß. Das lag zum einen natürlich an der Uhrzeit: wer hat schließlich Zeit und Lust, sich gleich zum Wochenanfang die Nacht um die Ohren zu schlagen und bis 5 Uhr morgens vor dem Fernseher zu sitzen?! Aber zum anderen waren natürlich auch die Filme selber Schuld. Denn gleich eine ganze Reihe der Filmpreis-Favoriten lief hierzulande noch gar nicht in den Kinos.

Pünktlich mit dieser Woche ändert sich daran aber einiges, denn gleich mehrere Oscar-Sieger und –Nominierte starten endlich auch bei uns. Alle Augen sind dabei natürlich auf „No Country For Old Men“ von den Coen-Brüdern gerichtet, der am Sonntag nicht nur als Bester Filme ausgezeichnet wurde, sondern auch noch drei weitere Preise abräumte. Seit der Weltpremiere in Cannes vergangenen Mai hört man nur Begeisterung bezüglich der ebenso brutalen wie komischen Romanverfilmung – und man darf getrost jedes Wort glauben. Ausnahmsweise haben sogar die Academy-Mitglieder mal Geschmack bewiesen und ein echtes Meisterwerk höchst verdient ausgezeichnet.

Zu den Konkurrenten von „No Country For Old Men“ gehörte auch „Michael Clayton“, und auch mit dieser Wahl hat Oscar eine gute Entscheidung getroffen. Denn auch der dramatische Thriller mit George Clooney ist mehr als sehenswert und ein wirklich spannender Blick in die emotionslose Welt der Wirtschaftsanwälte und Konzernintrigen. Besonderes Highlight sind dabei die Schauspieler: nicht nur Samtauge Clooney, sondern vor allem die einzigartige und einmalige Tilda Swinton, die dann auch völlig zu Recht mit einem Oscar nach Hause gehen durfte.
Weggeschnappt hat sie die goldene Statue für die beste Nebendarstellerin übrigens Cate Blanchett, die für „I’m Not There“ nominiert war.

Darin spielt die Australierin, das dürfte mittlerweile jeder mitbekommen haben, niemand Geringeren als Bob Dylan und macht das tatsächlich höchst genial. Der Film selbst, inszeniert vom großartigen Todd Haynes, ist absolut bemerkenswert, ziemlich kompliziert und ein waghalsiges Experiment, denn außer Blanchett spielen auch noch fünf andere Schauspieler die Musikikone, darunter Christian Bale, Richard Gere und der kürzlich verstorbene Heath Ledger. Doch alle, die trotzdem immer noch glauben, „I’m Not There“ sei eine gewöhnliche Musik-Biografie, seien gewarnt: der Name Bob Dylan fällt im ganzen Film nicht einmal.

Wem allerdings Oscar-Kandidaten, also in diesem Fall sogar cineastisch Anspruchsvolles, immer schon suspekt waren, der bekommt in dieser Woche genug Alternativen geboten. „8 Blickwinkel“ kann zwar mit Dennis Quaid, William Hurt, Forest Whitaker und Sigourney Weaver auch einige preisverdächtige Schauspieler aufweisen, ist aber trotzdem nur bedingt überzeugend. Alles was der Thriller anfangs an Spannung zu bieten hat, macht er später durch seinen Hang zu Pathos und Patriotismus wieder zunichte.

Noch viel weniger hochkarätig ist daneben „Meine Frau, die Spartaner und ich“. Der Titel lässt es schon erahnen: hier handelt es sich um eine alberne Parodie, wobei sich vor allem über „300“, „Transformers“ und andere Action- und Abenteuerfilme lustig gemacht wird. Das Ergebnis ist plump und albern – was aber natürlich auch daran liegen könnte, dass schon die Vorlagen nicht gerade großes Kino darstellten.

Wo wir gerade bei Vorbildern sind: von wem sich die deutsche Komödie „Ossi’s Eleven“ inspirieren ließ, ist schwer zu erahnen. Allerdings geht es hier natürlich nicht um gut gekleidete Edelganoven in Las Vegas, sondern um kleinkriminelle Loser in Ostdeutschland. Einen der Herren spielt übrigens Popstar Sasha. Aber mit etwas Glück interessiert das ohnehin kaum jemanden, denn momentan sollten echte Filmfans wirklich nur Augen für umwerfende Oscar-Lieblinge wie Javier Bardem und Tilda Swinton haben.

Text: Patrick Heidmann