Filmstars aus Hollywood sehen eigentlich immer ziemlich gleich aus: die Körper sind bis ins kleinste Detail ausmodelliert und trainiert, die Haare raffiniert frisiert und die Zähne so weiß und gerade, wie es in der Natur eigentlich nicht vorkommt. Ausnahmen von dieser Regel sind eigentlich nur in einem Metier erlaubt, und zwar bei den Komikern. Adam Sandlers Gebiss lässt sich wohl nur als Hackfresse bezeichnen, Ben Stillers Haare führen ein widerspenstiges Eigenleben und Vince Vaughn darf stolz seine Plauze vor sich hertragen.

Nun strahlt ein neuer Stern am Komödienhimmel der USA und auch seine Starqualität scheint vor allem darin zu liegen, dass er so gar nicht nach einem Star aussieht. Seth Rogen ist nicht schlank, nicht sexy und das einzige, was bei ihm strahlt, ist hin und wieder seine schwitzende Stirn. Aber der Kanadier ist einfach wirklich verdammt komisch. Sein komisches Talent hat er schon als Drehbuchautor in der „Ali G Show“ und als Nebendarsteller in „Ich, du und der andere“ oder „Jungfrau (40), männlich, sucht…“ unter Beweis gestellt. Und nun hat ihm sein Kumpel und Regisseur Judd Apatow mit „Beim ersten Mal“ auch schon die erste Hauptrolle auf den gemütlichen Leib geschrieben.
Die Geschichte vom nerdigen Riesenbaby und der Karriere-Blondine, die besoffen abstürzen und dabei gleich ein Kind zeugen, ist schwer albern, freut sich über jede Peinlichkeit und scheut weder Kiffer- noch Prollhumor. Aber wie schon in „Jungfrau“ gelingt auch hier das Kunststück, das ganze so pointiert, clever und liebevoll zu präsentieren, dass man sich tatsächlich bestens unterhalten kann. Außerdem ist es einfach immer wieder eine Genugtuung zu sehen, wenn ein Kerl wie Seth Rogen eine Traumfrau aus „Grey’s Anatomy“ abbekommt – und nebenbei zum Filmstar wird.

Auch „Sind wir endlich fertig?“ hat mit Ice Cube einen humorvollen und nicht gerade typischen Hauptdarsteller zu bieten. Viele Worte muss man aber trotzdem nicht darüber verlieren, denn erstens beherrscht der Rapper das komödiantische Timing längst nicht so genau wie den Flow seiner Songs. Und zweitens ist die Fortsetzung von „Sind wir schon da?“ überflüssiger Kinderkram, der leider nichts mit One-Night-Stand-Folgen, sondern nur mit piefigem Familienchaos in der Vorstadt zu zun hat.

Da gibt es fast in „Tuyas Hochzeit“ mehr zu lachen, auch wenn man das einer Geschichte über eine hart arbeitende Frau in der kargen Mongolei vielleicht zunächst nicht zutraut. Doch der Berlinale-Gewinner, in dem Tuya für ihren invaliden Mann, die beiden Kinder und 100 Schafe aufkommen muss und deswegen Scheidung und Neuheirat erwägt, ist so lakonisch und liebenswert erzählt, dass man sich nicht nur über die faszinierenden Landschaften des fernen Landes, sondern auch über den Humor dieses sehenswerten Frauenporträts freuen kann.

Ebenfalls exotisch, vor allem auf musikalischer Ebene, kommt „Gucha“ daher. Ein Blaskapellenwettbewerb in Serbien stellt den Hintergrund für eine Liebesgeschichte à la „Romeo und Julia“ dar, und wer etwas übrig hat für Balkanfolklore und die Filme von Emir Kusturica, dürfte womöglich Spaß an dem deftigen Humor und sogar der Musik haben. Wer diese Voraussetzungen allerdings nicht mitbringt, wird wohl schnell genervt und mit beiden Fingern in den Ohren im Kino sitzen.

Da hört man doch lieber „ostPunk! too much future“ zu, obwohl gerade die dort präsentierte Musik früher absolut unerwünscht war. In der DDR kamen nämlich Bands wie Wutanfall, Schleimkeim oder Betonromantik, die letztlich genau konträre Motive zur britischen Punkszene hatten, mit ihrer Kommunismuskritik gar nicht gut an. Damals illegale Konzertmitschnitte, Propagandafilme und aktuelle Interviews ergeben in dem Dokumentarfilm jedenfalls ein spannendes und irgendwie auch nostalgisches Porträt einer heute ziemlich in Vergessenheit geratenen Musikbewegung. Ungewöhnliche Filmhelden haben eben nicht nur Komödien aus Hollywood, sondern auch die Punkszene der DDR zu bieten.

Text: Patrick Heidmann