Nun also doch. Schon beim bisher letzten Moloko-Album ‘Statues’, vor dessen Aufnahme sich Roisin Murphy und Mark Brydon sich privat getrennt hatten, gab es reichlich Gerüchte, die beiden würden auch in beruflicher Hinsicht bald solo unterwegs sein. Es folgte dann eine längere, gemeinsame Tour, und die Fans atmeten beruhigt auf. Doch nun ist es soweit: Murphy veröffentlicht mit ‘Ruby Blue’ ihr Solo-Debüt.

Das letzte Wort bezüglich Moloko ist dabei noch nicht gesprochen, wie Murphy betont: “Schon möglich, dass es noch einmal ein Moloko-Album geben wird. Wir haben jedenfalls nicht gesagt, dass wir nie wieder zusammen arbeiten werden. Aber wann und wie es wieder dazu kommen wird, kann ich im Moment wirklich nicht sagen.” Die Begeisterung, mit der sie von der Arbeit an ‘Ruby Blue’ berichtet, lassen diese Vorstellung in weite Ferne rücken.

Ganz alleine stand Murphy auch dieses Mal nicht im Studio. Der neue Mann an ihrer beruflichen Seite ist Matthew Herbert, der DJ und Produzent, der in der Vergangenheit auch mehrere Remixe von Moloko-Songs aufgenommen hat. “Matthew und ich waren es beide gewohnt, mit jemandem zusammenzuarbeiten, mit dem man eine Beziehung hat (Herbert hat die Alben seiner Frau Dani Siciliano produziert). Es war für uns beide also etwas Neues, dass es tatsächlich nur um Arbeit ging. Man kam ins Studio und hat sehr konzentriert und ökonomisch gearbeitet,” erzählt Murphy. “Die ganze Platte ist in unserer Freizeit entstanden, und kein Label oder Managements waren in den Prozess involviert, bevor es fertig war, so dass für uns kein Druck entstand. Es war daher eigentlich angenehm einfach, das Album aufzunehmen, auch weil wir im Studio bestens zusammengearbeitet haben.”

“Manchmal hat Matthew einfach angerufen und gesagt: ‘Jetzt passt es mir’, so dass ich sofort ins Studio gerannt bin. Dann haben wir mal vier Stunden, von 1200 bis 18.00 Uhr gearbeitet, und das war es für den Tag. Bei Moloko hat die Arbeit an einem Album unser ganzes Leben erfüllt, wir haben rund um die Uhr nichts anderes gemacht. Dieses Mal hatten wir feste Zeiten, in denen wir eine bestimmte Menge an Material schaffen wollten. Es war alles ein wenig strukturierter.”

Wie gut diese neue Arbeitsweise Murphy getan hat, hört man ‘Ruby Blue’ jederzeit an. Ihre unverkennbare, leicht schräge Stimme lässt nach wie vor die Herzen der Fans höher schlagen, und der schwammige Oberbegriff Elektro-Pop trifft auch dieses Mal zu. Die Sounds, teilweise durch das Hämmern auf alte Klaviersaiten oder das Klopfen aufs Mikrofon entstanden, sind dabei häufig noch ein wenig sperriger, absurder und verspielter, als sie es bei Moloko ohnehin schon waren. Doch wer sich darauf einlässt, wird mit einem lange nachwirkenden Hörgenuss belohnt. Und kann sich plötzlich eine Zukunft mit Roisin Murphy im Alleingang doch ganz gut vorstellen.

Text: Patrick Heidmann